KW8 - Die doppelte Wette im KI-Rennen

Doppelgänger Update (BETA)

Von Philipp Klöckner · 16. Februar 2026


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❤️ Danke an alle, die letzte Woche neue Leser:innen auf unseren Newsletter aufmerksam gemacht haben! Die “Share the Newsletter” Funktion findet ihr am Ende der aktuellen Ausgabe. Der heutige Newsletter hat 1.686 Wörter und das vollständige Lesen dauert etwa 5 Minuten. Heute ist Montag, der 16. Februar 2026 und die KW8 startet.

🃏 Die doppelte Wette im KI-Rennen

Anthropic hat jetzt 30 Milliarden eingesammelt. Aus einer Runde, die Ursprünglich 10 Milliarden US-Dollar umfassen sollte, wurde schnell das Dreifache. Inklusive des neuen Kapitalspritze ist die Firma von OpenAI-Eremit Dario Amodei jetzt 380 Milliarden US-Dollar wert — so viel wie die Bank of America und nicht mehr weit entfernt von den 500 Milliarden, auf denen OpenAI sein letztes Kapital aufgenommen hat.

Die Lead-Investoren waren GIC (Singapurs Staatsfonds) und Coatue (ein “Tiger Cub”). Co-Leader waren D.E.Shaw Ventures, Dragoneer (auch “Tiger Cub”), Founders Fund (Peter Thiel), ICONIQ (verwaltet u.a. Mark Zuckerbergs Geld) und MGX (ein KI-Fund aus den Emiraten). Signifikante Beiträge kamen außerdem von Accel, Addition, Alpha Wave Global, Altimeter, AMP PBC, Appaloosa LP, Baillie Gifford, Bessemer Venture Partners, BlackRock, Blackstone, D1 Capital Partners, Fidelity Management & Research Company, General Catalyst, Greenoaks, Goldman Sachs Alternatives, Insight Partners, Jane Street, JPMorganChase, Lightspeed, Menlo Ventures, Morgan Stanley, NX1 Capital, Qatar Investment Authority (QIA), Sands Capital, Sequoia, Temasek (Singapur), TowerBrook, TPG, Whale Rock Capital und XN.

Außerdem wurden bestehende Zusagen von Microsoft und NVIDIA in Höhe von 15 Milliarden US-Dollar im Rahmen dieser Runde eingelöst. Während NVIDIA hier vermutlich die inzwischen üblich gewordene Absatzförderung betreibt, zeigt Microsofts Investment, dass man im KI-Wettrüsten keinesfalls mehr exklusiv auf OpenAI zu setzen scheint, sondern versucht im Boot zu sein, ganz gleich wer als Gewinner hervorgeht.

Die lange Liste der Investoren zeigt auch, dass fast jeder, der mehr als 10 Milliarden US-Dollar verwaltet, an dieser Runde Teil nahm. Das zeigt meiner Meinung nach zweierlei: Zum einen ist es wirklich nicht einfach, Finanzierungsrunden in mittlerer zweistelliger Milliardenhöhe zusammenzukratzen. Der US-Markt verfügt über ca. 200 Milliarden US-Dollar an Wagniskapital pro Jahr und ein Großteil scheint allein für das Rennen zwischen OpenAI, xAI und Anthropic drauf zu gehen. Dass souveräne Fonds aus Singapur und den Golfstaaten die Runden auffüllen, ist quasi Standard geworden.

Ebenfalls ein Novum ist der Umstand, dass mehr und mehr Wachstumsfinanzierer nicht mehr exklusiv auf ein Pferd setzen, sondern beide “Kriegsparteien” mit Geld unterstützen. Nicht nur Amazon, Microsoft und NVIDIA setzen ihr Geld im Konflikt auf die Kugeln und funden einfach beide Parteien. Auch Growth Funds wie Altimeter, Super-Angel Ron Conway oder MGX haben ihre Chips verteilt. Allein aufgrund von Interessenskonflikten galt solch ein Verhalten früher als Tabu. Heute nimmt man das Geld gern, auch wenn OpenAI-Gründer Sam Altman seinen Investoren explizit untersagt hat, die Konkurrenz zu finanzieren.

Mein Gefühl ist, dass einige Geldgeber auch einfach ihre Meinung geändert haben. Anfangs lag OpenAI klar vorn und Mega-Investitionen und Verluste waren egal, solange man beim vermeintlichen AGI-Gewinner an Bord ist. Nun bereitet nicht nur Google Sam Altman Alpträume, sondern Anthropic erreicht mit deutlich weniger Geld vergleichbare Ergebnisse und akquiriert vielleicht sogar die nachhaltigeren Enterprise-Kunden?

Bei den ARR-Erwartungen nehmen sich OpenAI und Anthropic wenig | Quelle: Reddit

Sam Altman beschwor sein Team Anfang des Jahres, dass man an Momentum gewinnt und wieder zweistellig wächst. Der spannendere Teil der Nachricht: Offenbar wuchs man um die Jahreswende dank Gemini und Claude langsamer oder gar nicht. Eine großer Teil des ChatGPT-Umsatzes kommt von Privatanwendern, die ihre Präferenzen schnell ändern könnten und zu Claude oder Gemini überlaufen könnten, und wenn es nur wegen lustigerer Bilder ist.

Während Anthropics Umsatz stärker an den Einsatz seines Coding-Features gebunden ist, welches Entwickler:innen hilft zu Programmieren. Die Wechselbereitschaft könnte hier geringer sein. Im Gegenteil: Je mehr Unternehmen dem Tool vertrauen, desto mehr Tokens kaufen sie Anthropic jedes Jahr ab. Das zeigen auch Prognosen des Dienstes SemiAnalysis. Denen zufolge wird Anthropic dieses Jahr jedes Quartal mehr Umsatz hinzugewinnen als OpenAI und so in absoluten und relativen Zahlen schneller wachsen.

Source: SemiAnalysis Tokenomics Model

Sollten diese Voraussagen wahr werden, muss Sam Altman sich beeilen, seine nächste Runde, die angeblich eine Bewertung von 830 Milliarden US-Dollar vorsieht, einzusammeln. Aber auch er muss an etlichen Türen klopfen, um die bis zu 100 Milliarden große Mega-Runde zusammenzustellen, während Investoren überlegen, ob ihr Geld nicht bei Dario Amodei besser verwendet wird.

Dessen (relative) Kapitaleffizienz lässt Altmans Verschwendungssucht wie eine ernsthafte Selbstüberschätzung aussehen. Anthropic benötigte bis zu dieser Runde circa 33 Milliarden Funding, um rund 10 Milliarden Umsatz zu generieren. Ein Verhältnis, was mit anderen IPO-Metriken (z.B. Palantir, Snowflake, Databricks) standhalten kann. OpenAI hat zwar das doppelte an Umsatz generiert, aber auch schon 80 Milliarden verschlungen.

Im letzten Podcast sagte ich, ich würde eher auf 500 Milliarden US-Dollar Geld in Anthropic stecken als zur gleichen Bewertung in OpenAI. Geschäftsmodell und Umsatzqualität sind mir wichtiger als das historische Umsatzwachstum. Die Kapitaleffizienz und seine Firmenkunden machen Anthropic zudem resilienter.

Weiter geht US-Podcaster Scott Galloway. Er glaubt, dass OpenAIs IPO sogar scheitern könnte und Anthropic daher schon heute mehr wert ist als OpenAI.

Nicht vergessen sollten wir, dass am Rande der Rivalität ein schon lang nicht mehr schlafender Gigant agiert. Wer sich überlegt auf dem 50-fachen des Umsatzes Geld in einen KI-Herausforderer zu stecken, sollte nicht vergessen, dass Google das vermutlich beste KI-Labor der Welt und Dinge besitzt, welche den Emporkömmlingen bis heute fehlen: 200 Milliarden Cash-Flow aus dem Stammgeschäft, Distribution zu Milliarden von Nutzern, eigene Hardware und Daten, wie sie noch kein Unternehmen zuvor aggregiert hat. Auch Rating-Systeme für Content-Quellen und Live-Zugriff auf Suchergebnisse helfen.

Google besetzt mit seinem Gemini-Modell die Spitze vieler Benchmarks und hat zum Wettbewerb zurückgefunden. Eigentlich sollte der Suchmonopolist aber sein KI-Produkt kostenfrei stellen. Unter der derzeitigen Administration würde man dem Dumpingvorwurf vermutlich entgehen können und gleichzeitig ist jeder Dollar Umsatz, den Altman und Amodei gerade nicht machen, 50 Dollar weniger in der Kriegskasse der beiden.
🔗 Bloomberg | Wall Street Journal 

If we end up misspending a couple hundred billion dollars,  that’s going to be very unfortunate obviously. But I would say the risk is higher on the other side.”

Mark Zuckerberg - CEO Meta über das Risiko, zu viel Geld im KI-Wettrennen zu investieren.

Das sind die weiteren News der Woche: 

🗳️ Musk will mit IPO Kontrolle ausweiten: Bis zu 50 Milliarden US-Dollar möchte Musk für seine jüngst vermählte Space-KI-Kombination SpaceX-xAI bei einem IPO in der zweiten Jahreshälfte einsammeln. Derzeit besitzt Musk etwas über 40 Prozent der Anteile an SpaceX. Damit er auch nach dem IPO das Sagen hat, erwägt er eine “Dual-Class-Shareholder” Struktur. Dabei gibt man einzelnen Aktien 10- oder 100-fache Stimmrechte, während andere Shareholder nur einen Bruchteil dieser Stimmrechte ausüben können. Zuvor haben unter anderem die Gründer von Google oder Facebook so die Macht über ihre Firmen zementiert, während man trotzdem aufs Börsenparkett konnte.
🔗 Bloomberg

🌎 Die Klima-Schande eines Wahnsinnigen: Höchstoffiziell hat US-Präsident Trump Treibhausgase und deren Emission für “unbedenklich” erklärt. Die sogenannte Environmental Protection Agency (EPA) muss sich nicht weiter der Reduzierung der Klimakiller widmen. Das Theater ist nicht nur unwissenschaftlich und egoistisch, sondern auch kurzsichtig. Die Folgen (und Kosten) des unterlassenen Klimaschutzes werden auch die USA einholen. Vermutlich nicht mehr Trump, aber Generationen nach ihm werden Schaden in Billionenhöhe tragen müssen. Besonders unfair für jene Länder und Generationen, die kaum Nutzen aus der Emission derselben ziehen konnten. Aufatmen wird vor allem wieder die Tech-Elite. Ihre Data-Center lassen sich mit erneuerbaren Energien nicht schnell genug ausbauen. NetZero-Ziele stehen nur noch pro forma in den ESG-Broschüren und ab nun gilt “Drill, Baby, Drill!” und “Gas auf, Tokens raus!”, um noch mehr Datacenter zu befeuern.
🔗 CNBC | Spiegel

🪂 xAI verliert weitere Co-Founder. Ein Dutzend Gründer hatte xAI einst. Etwa die Hälfte davon haben die Firma verlassen. Allein zwei in der letzten Woche. Elon Musk fühlt sich zum Kommentar genötigt und weist darauf hin, dass es sich um geplante Umstrukturierungen handelt. Die Betroffenen haben das bisher nicht bestätigt.
🔗 The Verge

🪰 Weitere News gibt es in der letzten Folge des Doppelgänger Podcast…
🔗 Doppelgänger Podcast

📶 Chart der Woche: Wo ICE Milizen wüten…

Studenten der Rice University, erstellten eine Karte, welche die Aktivitäten und Einsätze der ICE Milizen in den USA darstellt. Bestechend, wie stark sich Einsätze auf Bundesstaaten unter (noch) demokratischer Verwaltung konzentrieren. Das liegt vermutlich auch an vorheriger Verfolgungsmotivation und “Sanctuary Cities”, dennoch ergibt sich ein erschreckendes Bild.

Meine Meinung ist, dass Trump weder Aufstände noch Kriegsrecht braucht, um die Midterms zu manipulieren. Polizei, Militär und Milizen in der Nähe der Wahllokale sollten vollkommen reichen, um auch legale Einwanderer vom Wählen abzuschrecken. Erinnerungen an 1932 drängen sich auf.
🔗 The Rice Thresher

📺 Sehenswert: The Infrastructure of Jeffrey Epstein’s Power? (ca. 86 min)

Mit Buchautor Anand Giridharadas diskutiert NYT-Meinungsjournalist Ezra Klein die Causa Epstein. Stück für Stück dissektieren sie, wen eher Macht, das viele Geld oder doch einfach Epsteins Mädchen in seinen Bann gezogen haben.

Klar wird auch, dass es eben doch Menschen gab, die Epstein als das erkannt haben, was er ist und sich fern von ihm gehalten haben. Kleins Gast erwähnt auch das scheinbar Offensichtliche: Kaum ein Täter oder in den Files erwähnter war nicht-weißer Hautfarbe oder mit Armut geschlagen. Stattdessen haben Manager, Banker, Professoren, Politiker und Populisten, die uns in den Medien gegeneinander ausspielen, verbrüdert, bei Epstein genetzwerkt, gefeiert und oft Verbrechen begangen.

Auch bezeichnend: Während in Europa Royalty und Diplomatie zurücktreten muss, wenn sie in den Files erwähnt wird, scheint es in den USA noch keinerlei Konsequenzen für irgendeinen der Involvierten gegeben zu haben?
🔗 New York Times | YouTube | Spotify

🖨️ Earnings Season: Quartalsergebnisse der Woche

Montag 16. Februar:
Dienstag 17. Februar: etoro (BMO), paloalto Networks (AMC)
Mittwoch 18. Februar: fiverr (BMO), Carvana (AMC), DoorDash (AMC), Figma (AMC), ebay (AMC)
Donnerstag 19. Februar: Walmart (BMO), Lemonade (BMO), Klarna (BMO), wayfair (BMO), Opendoor (AMC), Akamai (AMC)
Freitag 20. Februar:

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