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KW6 - KI-Rennen and der Börse
Doppelgänger Update (BETA)
Von Philipp Klöckner · 2. Februar 2026
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❤️ Danke an alle, die letzte Woche neue Leser:innen auf unseren Newsletter aufmerksam gemacht haben! Die “Share the Newsletter” Funktion findet ihr am Ende der aktuellen Ausgabe. Der heutige Newsletter hat 1.658 Wörter und das vollständige Lesen dauert etwa 5 Minuten. Heute ist Montag, der 2. Februar 2026 und die KW6 startet.
💹 Nächste Runde im KI-Rennen: Die Börse

In meinen Predictions für das Jahr 2026, war ich mir relativ sicher, dass sowohl Anthropic als auch OpenAI dieses Jahr ihren Börsengang (IPO) zumindest ankündigen und dass beide Firmen dieses Jahr über eine Billion US-Dollar wert sein könnten. Während die Prediction-Markets dieses kombinierte Szenario zum Jahreswechsel noch für extrem unwahrscheinlich hielten, verdichten sich nun die Zeichen, dass beide KI-Dickschiffe noch dieses Jahr auf das Börsenparkett treten könnten.
Um das kommen zu sehen, muss man kein Prophet sein. Im Kampf um die KI-Krone ist schon lange ein Wettrüsten um Rechenzeit ausgebrochen. Um sich den Zugang zu immer mehr Trainingsressourcen zu sichern, geben die KI-Labore Milliarden und Abermilliarden für das Anmieten neuer Data Center aus. Allein Sam Altmans “Kreditkartenrechnung” sollte mit ca. 1,4 Billionen US-Dollar stark strapaziert sein. Auch wenn die Zahlungen erst über die nächsten Jahre fällig sein werden, zeichnet sich der enorme Kapitalbedarf im KI-Rennen ab.
Pro Jahr werden in den USA etwa 200 Milliarden US-Dollar an Wagniskapital aufgetan. Ein großer Teil davon ist in der Vergangenheit schon in OpenAI und Anthropic geflossen. Die meisten Venture Capitalists sind bereits in eine der beiden Firmen investiert. Um die Wette aufzustocken fehlt oft das Kapital. Schon lange betreiben daher die großen Cloudanbieter (Amazon, Microsoft, Google) und der Chip-Hersteller NVIDIA Startup-Finanzierung als Mittel zur Absatzförderung und überweisen den Kriegsparteien Milliardensummen in der Hoffnung sie bald als Umsatz wiederzusehen, den die Börse extrem hoch bewertet. So macht OpenAI zum Beispiel fast die Hälfte der Auftragseingänge bei Microsofts Azure Plattform aus.
100 Milliarden US-Dollar, will laut Angaben des Wall Street Journal OpenAI nun einsammeln, um ein paar Rechnungen zu bezahlen. Eine Allianz aus Amazon, Softbank, NVIDIA und anderen soll die Mega-Summe zusammenbringen. Das Journal schreibt außerdem, dass NVIDIA zwar signifikant Kapital beisteuern wird, vor der im September angekündigten Willenserklärung allein circa 100 Milliarden zu investieren, sei aber nicht mehr die Rede.
An welcher Tür soll Sam Altman also als nächstes klingeln? Venture Capital scheint erschöpft und für Multi-Milliarden Runden eh nur begrenzt ausgestattet. Emirate und Saudis sind nicht nur schon stark investiert, sondern agieren aufgrund des Ölpreises auch zurückhaltender. Die Cloudanbieter und NVIDIA stehen in der Kritik für die erheblichen Kreislaufgeschäfte mit den ihren Kunden. Analysten rügen außerdem die hohe Konzentration und Abhängigkeit von den KI-Kolossen und die Märkte für Schuldverschreibungen werden auch bereits von KI-Krediten dominiert.
Bleibt also die Börse als Kapital-Oase in der Finanzierungswüste. KI-hungrige Kleinanleger und die Schrotgewehr-Logik von ETFs, die brav monatlich aufgefüllt werden, bieten beinahe endlose Liquidität.
Billionen-Börsengänge sind für beide Akteure in Aussicht. OpenAI wird bei der anstehenden Finanzierungsrunde schon mit um die 800 Milliarden US-Dollar bewertet. Anthropic könnte schnell aufholen. Mit einem Börsengang könnte man zwischen 100 und 200 Milliarden in einem Schwung einsammeln.
Kommen die Transformer-Tanker mit Billionen-Bewertung an die NASDAQ, bleibt ETF-Anbietern gar nichts anderes übrig, als die Aktien anzukaufen. Im MSCI World könnte OpenAI bei einer Bewertung wie Tesla etwa 1,5 Prozent ausmachen, im S&P 500 sogar 2,5 Prozent. (Tatsächlich müsste man für den SPY profitabel sein) Erstinvestoren der KI-Startups könnten Kasse machen und Angestellte ihre Optionsanteile im Wert von hunderten Milliarden verflüssigen. (ESOP-Anteil bei OpenAI ca. ¼ der Company)
Auch hier möchte Sam Altman seinem ehemaligen Mitarbeiter Dario Amodei eine Nase voraus sein. Wer zuerst an die Börse geht, könnte es einfacher haben. Sollte sich die Aktie negativ entwickeln, könnte es für den Nachzügler deutlich schwerer werden, an Kapital zu kommen. Platzt gar die KI-Blase oder wackelt das Narrativ, könnte ein Initial Public Offering für den Zweiten sogar unmöglich werden.
Daher bleibe ich dabei: Wir werden beide Firmen schon bald auf dem Parkett tanzen sehen. Am Ende gilt “Make hay while the sun is shining” und man geht besser zu früh als niemals an die Börse. Sonnenlicht hat noch einen weiteren Nebeneffekt: Für die Börse werden uns die Firmen in ihre Bücher gucken lassen müssen, ein Umstand, um den Firmengründer die CEOs börsennotierter Unternehmen nicht beneiden. Im IPO-Prospekt müsste man vermutlich auch Kündigungsraten, Kundentreue und Margenkalkulationen teilen, die mit Überraschungen aufwarten könnten.
Ich persönlich würde zur Hälfte der Bewertung von OpenAI vorerst ein Investment in Anthropic bevorzugen. Warum erfährt man unter anderem im Doppelgänger-Podcast.
🔗 Wall Street Journal | WSJ (2) | Hinweis: Der Autor ist an beiden Unternehmen indirekt beteiligt
“Am I excited to be a public company CEO? 0%. Am I excited for OpenAI to be a public company? In some ways, I am, and in some ways I think it’d be really annoying.”
Das sind die weiteren News der Woche:
🛰️ 1 Million Satelliten: Elon Musks Space X hat die Telekommunikationsbehörde FCC offiziell um Erlaubnis gebeten bis zu 1 Million Satelliten ins All zu befördern. Derzeit umkreisen circa 15.000 Trabanten die Erde, zwei Drittel davon schon jetzt unter Kontrolle von Musk. Ich halte den Antrag derzeit noch für einen PR-Coup. Denn auch Musks SpaceX möchte an die Börse. Dazu braucht das relativ langsam wachsende Unternehmen eine gute Story. Gleichzeitig ist Musks KI-Unternehmen xAI ein wirtschaftlicher Flop, dessen Kapitalhunger nicht mal der Mega-Fundraiser Musk stillen kann. Kurzerhand könnte Musk also die strauchelnde KI-Klitsche übernehmen und die ersten Data Center ins All schießen. Warum man dieser Story, wie eigentlich jedem Wort, was Musks Lippen überquert, nicht trauen sollte, sieht man in den Medienempfehlungen unten.
🔗 Reuters | TechCrunch
💰 Das Crypto-Investment des Schatten-Scheich: Mit einer halben Milliarde US-Dollar sollen die Oberhäupter der Vereinigten Emirate Trumps Unternehmen World Liberty Financial aufgepumpt haben. Wie das Wall Street Journal berichtet, kauften sie dafür 49% an dem “FinTech”, das auf mich eher wie die Pensionskasse der Trumpfamilie wirkt. Qatar schickte Düsen-Donald ähnlich unverhohlen einen Jet im Wert von 400 Millionen Dollar. Mehr zur Bereicherung des amtierenden Zuwendungsweltmeisters weiter unten im Newsletter.
🔗 Wall Street Journal
📉 US Handelsdefizit auf Rekordniveau: Heute vor 10 Monaten holte Trump den Zollstock raus. Zusammen mit seiner Handelsminister-Attrappe Howard Lutnick verkündete er am “Liberation Day” einen Wechsel in der US-Außenhandelspolitik. Erfolgreich scheint das Unterfangen nicht: Die Statistikbehörde verkündigt das höchste Außenhandelsdefizit seit langem, auch weil die USA viele Chips und Investitionsgüter importieren.
🔗 Reuters
🛑 Zuckerbock zum Kindergärtner gemacht: Laut einem Bericht von Reuters zeigen entsperrte Gerichtsdokumente, dass Meta-CEO Mark Zuckerberg persönlich Maßnahmen blockierte, die Kinder vor sexuell expliziten Inhalten bei KI-Chatbots hätten schützen sollen. Mitarbeiter hatten bereits 2024 intern davor gewarnt, dass Minderjährige die Filter der KI leicht umgehen könnten, um Gespräche über sexuelle Themen oder Gewalt zu führen. Zuckerberg lehnte vorgeschlagene strengere Sicherheitsvorkehrungen jedoch ab, da er befürchtete, diese könnten die Interaktionsraten der Nutzer beeinträchtigen oder die KI-Entwicklung verlangsamen.
🔗 Reuters
💑 Lieferte Zuckerberg Kinder an Sexbots aus? Diesen Vorwurf erhebt ei
🔗 Reuters
🪰 Weitere News gibt es in der letzten Folge des Doppelgänger Podcast…
🔗 Doppelgänger Podcast
📶 Chart der Woche: Die Wirtschaft brummt - für Trump

Wie Trump sich in seiner Regierungszeit bereichert, haben Journalisten der New York Times anschaulich zusammengetragen. Von Business-Deals über Crypto-Scams bis zu Erpressungsklagen gegen Medien, soll Dizzy Donald mindestens 1,4 Milliarden US-Dollar eingesammelt haben. Trump monetarisiert seine Macht wie kein Präsident vor ihm. Jüngstes Beispiel ist der 75-Millionen-Dollar-Flopfilm “Melania”, den Amazon produzieren ließ, vermeintlich vor allem um Trump milde zu stimmen. Mein Prime-Abo habe ich heute demonstrativ gekündigt.

NYT-Artikel unbedingt mal durchscrollen!
📺 Sehenswert: Space Data Center - Elon Musks neuester Trick (ca. 15 min)
Data Center im All? Klingt zu schön, um wahr zu sein! Ist es auch. Der Laie denkt an unerschöpfliche Sonnenenergie und eingebaute Tiefkühlung — Die Realität sieht aber anders aus. Weltraumtaugliche Solarmodule sind teure High-Tech, die Kühlung ist tatsächlich aufwendiger als auf Erden und die Strahlung im Weltraum setzt Chips und Anlagen übel zu. Wer sich selbst eine Meinung über Gigawatt-Data Center im All und Elons neuestem Bullshit-Narrativ bilden will, dem sei dieses Video empfohlen. Eines Tages wird es sicher auch im All Data Center geben. Wirtschaftlich sinnvoll sind diese aber noch lange Zeit nicht.
🔗 YouTube
📺 Sehenswert: Im Loop - Erbschaftssteuer-Debatte mit Gabor Steingart (ca. 43 min)
Als Mary Abdelaziz-Ditzow mich fragte, ob ich mir vorstellen könne, meine Meinung zu einer Reform des Erbschaftssteuergesetzes in einem kurzen Streitgespräch mit The Pioneer-Herausgeber Gabor Steingart im Finanzfluss-Format “Im Loop” zu vertreten, habe ich gern zugesagt.
Ich schätze Gabor Steingart für sein Eintreten für Meinungsvielfalt und hatte immer Sympathie für seinen Versuch mit The Pioneer wirklich unabhängigen Journalismus zu machen. Inzwischen erkenne ich diese Unabhängigkeit immer weniger. So klingen Kommentare oftmals wie der Medienarm des Lobbyverbandes DIE FAMILIENUNTERNEHMER.
Dennoch rechne ich es Gabor hoch an, dass er sich auf diese Debatte eingelassen hat, um seine — meiner Meinung nach — nicht ganz einfach zu verargumentierende Position zu vertreten. Seine Kollegin Dagmar Rosenfeld hatte die Reform im Kanal von The Pioneer ebenfalls kommentiert und kam zu anderen Schlüssen. So geht echter Meinungs-Pluralismus.
🔗 YouTube | Spotify
🖨️ Earnings Season: Quartalsergebnisse der Woche
Montag 2. Februar: Disney (BMO), Palantir (AMC)
Dienstag 3. Februar: PayPal (BMO), AMD (AMC), SuperMicro (AMC)
Mittwoch 4. Februar: Uber (BMO), Novo Nordisk (BMO), Alphabet (AMC), arm (AMC), Qualcomm (AMC), Snap Inc. (AMC)
Donnerstag 5. Februar: Amazon (AMC), Iren (AMC), Roblox (AMC), reddit (AMC), affirm (AMC), Atlassian (AMC)
Freitag 6. Februar: —
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