KW5 - TikTok in der Hand der Befreier

Doppelgänger Update (BETA)

Von Philipp Klöckner · 28. Januar 2026


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❤️ Danke an alle, die letzte Woche neue Leser:innen auf unseren Newsletter aufmerksam gemacht haben! Die “Share the Newsletter” Funktion findet ihr am Ende der aktuellen Ausgabe. Der heutige Newsletter hat 1.923 Wörter und das vollständige Lesen dauert etwa 5 Minuten. Heute ist Mittwoch, der 28. Januar 2026 und die KW5 startet.

✏️ Day One für das national-befreite TikTok!

Man würde denken, mit der Befreiung aus chinesischer Kontrolle würde Meinungs- und Redefreiheit auf TikTok nun florieren und staatlicher Zensur Einhalt geboten sein. Die ersten Erfahrungen mit der Social-Media-Plattform, die seit kurzem dank Trump in neuen Händen ist, legen das Gegenteil nahe.

Aber der Reihe nach: Auf seinem Netzwerk Truth Social lobte Donald Trump letzten Donnerstag erst vor allem sich selbst für die Rettung von TikTok und erklärte Jugendlichen, dass sie nicht vergessen sollen, dass es Opa Donny war, der ihre in den USA verbotene Video-Plattform gerettet habe.

In der Hand von Großartigen Amerikanischen Patrioten sei die US-Variante von TikTok nun. Damit meint er natürlich vor allem Larry Ellisons Oracle und weniger die anderen Shareholder, wie MGX aus den Emiraten, Silver Lake, die selbst mutmaßlich auch Saudi-Geld verwalten und regelmäßig Deals zusammen mit Trumps Schwiegersohn und den Golfstaaten machen noch die rund 20 Prozent, die weiterhin in den Händen der chinesischen Mutter blieben.

Ellison gilt als überzeugter Republikaner und Trump-Supporter. Seine Familie übernahm mit dem Unternehmen Paramount die Kontrolle über den Nachrichtensender CBS und brachte dessen Berichterstattung auf Spur. Als nächstes greift Trumps Medien-Mogul nach Warner Bros. Im Gegensatz zum Mitbieter Netflix geht es den Ellisons nicht nur um die Filmstudios und Markenrechte, sondern mindestens ebenso sehr um den Nachrichtensender CNN, der eines der letzten Bollwerke der Trump-Opposition ist.

Nun kontrolliert Ellison TikTok US und auf einmal berichten Nutzer über Warnmeldungen und Zensur beim Versuch, Nachrichten über die Causa Epstein auszutauschen. Ein demokratischer Senator veröffentlicht ein Video über die ICE-Razzien und stellt fest, dass er genau 0 Menschen damit erreicht. Wer zuvor politische Inhalte auf seiner “For You” Page sah, bekommt auf einmal generischen Slop ausgespielt. Hat das Trump-Lager von Tag 1 den Daumen auf der Waage?

TikTok US behauptet nein. Bei der Übergabe kam es zu einem kurzen Ausfall und dieser sei dafür verantwortlich zu machen. Das kennt man ja von Zuhause: Wenn man den Fernseher an- und ausschaltet, kann man auf einmal die Tagesschau nicht mehr sehen.

Selbst wenn es noch zu früh ist, diesen Anfangsverdacht abschließen zu bewerten, so zeigt er doch, wie gefährlich eine schrittweise Gleichschaltung der relevanten US-Medien ist. FOX News, CBS, eventuell bald CNN dominieren die TV-News. Social Media ist mit dem rückgratlosen Opportunisten Zuckerberg, Trump-Supporter Musk und Ellisons TikTok quasi eh in der Hand von Trump. Die verbleibenden unabhängigen Medien werden von Trump mit SLAPP-Klagen überzogen und müssen Milliardenschäden riskieren oder in außergerichtlichen Einigungen wider besseres Wissen auch noch Geld in Trumps Erpresser-Kasse einzahlen.

Mehr als 90 Millionen US-Dollar hat Trump mit seinen Klagen gegen Medien- und Tech-Unternehmen in dieser Amtszeit schon eingenommen. Nicht weil er immer im Recht war, sondern oft weil Beklagte lieber klein beigeben als ihre Existenz zu gefährden oder die Rache des Präsidenten zu provozieren.

Trump hat die Medien eingeschüchtert, in die Hände von Vertrauten verschoben oder schon länger hinter sich gebracht. Soziale Medien werden von Elon Musk, Mark Zuckerberg und nun Larry Ellison kontrolliert und manipuliert. Podcaster, wie die vier Gastgeber des All-In-Podcast, welche früher die Nähe der sogenannten Mainstream-Medien zur Biden-Administration laut kritisierten, sind heute republikanische Vorfeldmedien, welche die inkompetenten Vertreter des Trump-Kabinetts unkritisch in einem Dutzend Propaganda-Interviews zeigen und es nicht mal mehr wagen ein Mindestmaß an Menschlichkeit oder ökonomischen Common Sense einzufordern.

Der neuerliche Zugang zur Macht macht die einst rationalen Beobachter so besoffen, wie ihre Anhänger nach dem Konsum von einer der 1.200 US-Dollar Tequila-Flaschen aus der Merchandise-Abteilung der Wagniskapitalgeber. Ein Dinner im Weißen Haus und ein Selfie mit Trump lassen schnell jede Bindung an Wissenschaft, Wahrheit und Wirtschaft aufweichen.

Je stärker Medien und soziale Medien auf Linie gebracht werden, desto schwerer sollte es werden Trump und seine Nachfolger zur Rechenschaft zu ziehen. Am Ende werden Podcast, Zeitungsbesitzer und TV-Sender gleichermaßen mit einem Kater aufwachen. Die Presse- und Medienfreiheit entwickelt sich gerade nur noch in eine Richtung.
🔗 NPR | Scott Wiener

Democracy dies in Darkness.

Offizieller Slogan, den die Washington Post 2017 annahm. Offenbar nicht ahnend, dass die Institutionen der Demokratie in naher Zukunft bei hellichtem Tage geschliffen werden würden.

Das sind die weiteren News der Woche: 

💰 Khaby Lame casht ein: Einen 900 Millionen US-Dollar Deal soll der aus dem Senegal stammende Mega-Influencer Khaby Lame abgeschlossen haben. Die bisher unauffällige Firma “Rich Sparkle Holdings” soll sich die Verwertungsrechte des TikTok-Stars für drei Jahre gesichert haben und darf Khaby auch mittels AI replizieren. Meine Lesart: Geld ist hier kaum geflossen. Stattdessen hat der TikTokker seine Marke über die Hintertür an die Börse gebracht (“Reverse IPO”) und sucht den Last-Minute-Ausstieg aus einem stagnierenden Geschäft. Wir bleiben dran.
🔗 PR Newswire | Mein Take auf LinkedIn (oder im Podcast)

🏜️ Neom - Saudis specken Image-Projekt ab: Eine 170km lange Stadt an einem der menschenfeindlichsten Ort des Planeten zu errichten klingt nicht nur irre, es ist auch einfach ineffizient, unklug und quasi unmöglich. Selbst mit Sklaverei und “Can-do-Mentalität” á la Elon Musk scheint das Mega-Projekt nicht machbar. Solch eine bewohnbare Mauer wäre eine massive Windfalle, die eine Seite bekäme nie Sonne, die andere durch verspiegelte Oberflächen, noch mehr Hitze, Transportwesen und Logistik wäre maximal ineffizient und das sind nur die einfachsten Hindernisse. Nun hat Machthaber MBS ein Einsehen und moderiert seine Gigantomanie nach unten. Unter anderem wird das Ski-Resort (!) in der Wüste (!!) gestrichen, welches die asiatischen Winterspiele (!!!) 2029 beherbergen sollte. Auch am Golf kommt das Geld nicht mehr aus der Erde. Niedrige Ölpreise und andere Projekte (EXPO, WM 2034) lassen die Liquidität der Saudis schrumpfen.
🔗 Financial Times

🚀 Anthropic gibt Gas: Der OpenAI-Widersacher, den ich neulich noch für seine Kapitaleffizienz lobte, sammelt jetzt statt 10 sogar 20 Milliarden auf einer 350 Milliarden US-Dollar Bewertung ein. Außerdem passt man die Umsatzerwartungen um 20 Prozent nach oben an und will Ende nächsten Jahres schon 55 Milliarden ARR abliefern. Um schneller zu wachsen, verschiebt man aber auch die Profitabilitätswende um ein Jahr nach hinten. Sofern CEO Dario Amodei tatsächlich seinen Umsatz noch einmal verdreifachen kann, ist dieser Schritt aber auch absolut sinnvoll.
🔗 Financial Times | The Information

📈 Clawdbot steigert Cloudflare Wert um 10 Milliarden: Ein neue AI Agent namens Clawdbot erfreut sich ungeahnter Beliebtheit. Der auf Anthropics Claude basierende Bot kann vielerlei Tasks automatisieren, ohne ständig neu gepromptet zu werden. Um ihn mit dem Internet zu verbinden, nutzen viele Tüftler den “Tunnel”-Service des US-Unternehmen Cloudflare. Spekulanten schickten daraufhin die Aktie innerhalb von 48h um 20 Prozent nach oben. Anthropic mochte die Referenz zum eigenen Claude-Service nicht und Erschaffer Peter Steinberger nannte seinen Agent in Moltbot um.
🔗 Barrons

💑 Lieferte Zuckerberg Kinder an Sexbots aus? Diesen Vorwurf erhebt ein US-Staatsanwalt gegen Meta. Unter der Leitung von Mark Zuckerberg soll man aktiv Bedenken des Integrity Teams verworfen haben und KI Chatbots, von denen bekannt war, dass sie “sexually exploitative conversations” führen könnten, auf Kinder losgelassen haben. So zumindest die Anklage basierend auf interne Dokumente.
🔗 Reuters

🪰 Weitere News gibt es in der letzten Folge des Doppelgänger Podcast…
🔗 Doppelgänger Podcast

📶 Chart der Woche: USA - Nein, Danke.

Europäer stimmen mit den Füßen ab, kommentierte Ian Bremmer, President der Eurasia Group, diesen Chart der Financial Times. Die Zahlen zeigen in aller Deutlichkeit, wie unattraktiv die USA als Reiseziel für Europäer geworden sind. Sie verschlüsseln aber auch, wie der Ruf der USA ganz generell den Bach runter geht. Erste Stimmen spielen sogar mit der Idee eines WM-Boykott. Ein Signal, das mich persönlich wenig Überwindung kostet.

In Berlin werben indes US Airlines mit Tourismusförderung dafür, dass man doch New York besuchen sollte. Ich empfehle stattdessen eine Kanada-Rundreise. Die Menschen sind netter, die Preise moderater und Toronto ist eh das bessere New York.
🔗 Financial Times

📺 Sehenswert: Tim Gabel meets Philipp Klöckner (ca. 210 min)

Über dreieinhalb Stunden unterhalte ich mich mit Tim Gabel in seinem Stuttgarter Studio. Dabei geht es hauptsächlich um Künstliche Intelligenz und Social Media, aber auch viele andere Themen.
🔗 YouTube | Spotify 

🖨️ Earnings Season: Quartalsergebnisse der Woche

Montag 26. Januar:
Dienstag 27. Januar: United Health (BMO), Seagate (AMC)
Mittwoch 28. Januar: ASML (BMO), GE Vernova (BMO), Microsoft (AMC), Meta (AMC), Tesla (AMC), servicenow (AMC)
Donnerstag 29. Januar: mastercard (BMO), Caterpillar (BMO), Apple (AMC), SAP (AMC)
Freitag 30. Januar:

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