- Doppelgänger Update
- Posts
- KW4 - Erbschaftsreform: IQ-Test statt Neiddebatte und Grönland-Zölle
KW4 - Erbschaftsreform: IQ-Test statt Neiddebatte und Grönland-Zölle
Doppelgänger Update (BETA)
Von Philipp Klöckner · 19. Januar 2026
👋 Hallo! Du empfängst diesen Newsletter als eine(r) von 🥳 22,885 Abonnent:innen (+320).
❤️ Danke an alle, die letzte Woche neue Leser:innen auf unseren Newsletter aufmerksam gemacht haben! Die “Share the Newsletter” Funktion findet ihr am Ende der aktuellen Ausgabe. Der heutige Newsletter hat 2.923 Wörter und das vollständige Lesen dauert etwa 9 Minuten. Heute ist Montag, der 19. Januar 2026 und die KW4 startet.
⚖️ Erbschaftsreform: IQ-Test statt Neiddebatte!

Kaum ein Thema polarisiert mehr, als die Erbschaftsteuer, ihre Ausgestaltung und die regelmäßigen Reformvorschläge. Dabei ist die Faktenlage relativ klar und eine überwältigende Mehrheit der Menschen sollte eigentlich begreifen, dass eine Reform in auch ihrem Sinne wäre.
Vorab ein paar Prämissen:
Es geht hier nicht darum, ob mehr oder weniger Steuern prinzipiell gut oder schlecht sind. Natürlich wäre ein schlanker Staat, weniger Bürokratie und rationale Sparsamkeit angebracht. Gleichzeitig gibt es wichtige Investitionen (Bildung, Verteidigung, Infrastruktur) zu tätigen. Es geht hier nicht darum, ob wir Steuern erheben, sondern ob sie gerecht und wirksam erhoben werden; insbesondere dann, wenn die Alternative wäre, Einkommen oder Konsum stärker zu besteuern, was in jedem Fall schlecht für die Wirtschaft und jedermann wäre.
Eine Erbschaftsteuer ist (selbst nach Abzug staatlicher Ineffizienzen) für die absolute Mehrheit der Bevölkerung ein No-Brainer. Zwei Drittel der Bevölkerung kommen sowieso nie zu relevanten Erbteilen. Hohe Freibeträge sichern einem Großteil der Bürger vorteilhaften Vermögenszugang. Die Steuer wird auf das in Deutschland sehr ungleich verteilte ererbte Vermögen erhoben und betrifft daher nur einige wenige in relevantem Ausmaß. Die Mehrheit würde von der Redistribution von Ressourcen profitieren und bleibt über Freibeträge in der Regel verschont. Demokratisch sollte es also einen breiten Konsens für eine Erbschaftssteuer geben. Unsere Verfassung schützt natürlich trotzdem und zurecht Minderheiten vor Enteignung durch die Mehrheit. Eine Steuer sollte also in jedem Fall gleich und gerecht sein. (Die Verfassung sagt übrigens auch, dass Eigentum verpflichtet und sein Gebrauch dem Wohle der Allgemeinheit dienen soll.)
Zum Reformvorschlag: Die SPD schlägt einen Lebensfreibetrag (pro Erbnehmer) von einer Million Euro vor, der steuerfrei geerbt werden kann. 900.000 Euro sind für Erbschaften aus der Familie und 100.000 Euro von nicht oder entfernt verwandten Personen vorgesehen. Selbst genutzte Eigenheime bleiben steuerfrei. Bislang gelten Freibeträge für Erbschaften und Schenkungen für einen Zeitraum von zehn Jahren. Die 10-Jahres-Regel für Schenkungen will die SPD abschaffen. Für die Vererbung von Unternehmen sieht das Konzept einen neuen Freibetrag in Höhe von fünf Millionen Euro vor. (hilft z.B. Bauern, Handwerkern, Forstbetrieben) Vermögenswerte über 5 Millionen Euro sollen progressiv besteuert werden. Für Unternehmen mit Arbeitsplätze-Garantie sind Stundungsmöglichkeiten von bis zu 20 Jahren vorgesehen.
Das Problem: Die Erbschaftssteuer in ihrer jetzigen Form kennt verschiedene “Klassen” von Erben, viele Ausnahmen, Freibeträge und nach Grad der Verwandtschaft und Erbschaftshöhe variierende Steuersätze zwischen 7 und 50 Prozent. Prinzipiell gilt, dass hohe Erbschaften höhere Steuersätze bedingen, ebenso wie entfernte oder fehlende Verwandtschaftsverhältnisse. Die Erbschaftssteuer ist auf den ersten Blick also progressiv entworfen und sollte hohe Erbeinkommen höher belasten.
In der Realität tut sie das aber nicht. Ausnahmeregeln für Großerben, deren Kapital oft in Betriebsvermögen gebunden sind, sorgen dafür, dass bei Erbschaften über 26 Millionen Euro zuletzt 95% der hypothetisch anfallenden Steuern erlassen wurden. Zwischen 2021 und 2023 zahlten Großerben im Schnitt weniger als 3 Prozent Erbschaftssteuer. 2023 sogar nur 0,1 Prozent! Menschen, deren Erbe weniger als 200.000 Euro betrug, zahlten indes im Schnitt mehr als 12 Prozent Steuern. Dass Milliardenerbschaften effektiv steuerpflichtig werden, kommt praktisch nur bei schlechter Vorbereitung oder grober Fahrlässigkeit vor. Die Erbschaftsteuer ist heute eine Steuer, welche vor allem die Unter- und Mittelschicht bezahlt.

Die Erbschaftsteuer trägt die Mittelschicht: Stark abfallende effektive Steuersätze bei Millionenerben
Eine vergebene Chance kann man bei genauer Analyse bereits hier entdecken. Denn theoretisch können Erbschaften die Ungleichheit senken, sofern größere Vermögen in kleinen Teilen auf mehrere Erben verteilt werden. Hohe Freibeträge pro Erbnehmer (der Reformentwurf plant 1 Million Euro pro Erbe) stimulieren theoretisch nicht nur die Reproduktionsrate, sondern incentivieren auch das Verteilen an viele Erben. Belastet man nun aber — wie derzeit in Deutschland — ausgerechnet kleine und mittlere Erbschaften stärker und Milliardenübertragungen an einzelne “Stammhalter” gar nicht oder kaum, verspielt man auch noch den natürlichen Umverteilungseffekt, den Erbschaften eigentlich gewährleisten könnten.
Ein Hauptgrund für die Ungerechtigkeit ist die sogenannte Verschonungsbedarfsprüfung. Stark vereinfacht, sagt diese, dass wer die fällige Erbschaftssteuer nicht gerade auf dem Girokonto liegen hat, oft darauf setzen kann, von ihr verschont zu bleiben. Das funktioniert sogar bereits vor dem Ableben des Erblassers. So zum Beispiel 2020 im Fall Dr. (h.c.) Friede Springer / Dr. Mathias Döpfner oder 2024, als Susanne Klatten ihre drei Kinder vorzeitig bedachte. Einfach gesagt: Vererbt jemand seiner Altenpflegerin oder der unverheirateten Partnerin auf dem Sterbebett eine Million, werden oft 30 Prozent fällig, verschenken Superreiche Milliarden an Kinder oder Vermögensverwalter, geht die Allgemeinheit oft leer aus. Die Verschonung hat bisher zu 100 Prozent Westdeutsche und in den meisten Fällen Männer begünstigt.
Für Unternehmer gibt es eine weitere Subvention. In Betreiben gebundenes Vermögen (sog. begünstigtes Vermögen) kann zu 85 Prozent verschont werden, sofern Arbeitsplätze für 5 Jahre gesichert bleiben. Erhält man den Betrieb 7 Jahre aufrecht, wird das mit einem gänzlichen Steuererlass belohnt. Während auf das Ferienhaus oder die Sommerresidenz der Großeltern im Erbfall also hohe Steuern anfallen können, sieht es bei einer ganzen Ferienanlage oder einem Wohnungsunternehmen der Großerben schon anders aus.
Natürlich soll der Paragraph ursprünglich dem Fortbestand von Unternehmen und der Sicherung von Arbeitsplätzen dienen. Die jüngsten Beispiele und die Vermögensstruktur der Großerbschaften, zeigen aber schon, dass sich in den Sonderregelungen mit guten Steueranwälten und guter Voraussicht quasi fast alles steuerfrei gestalten lässt. Dass man Betriebe schließen, Investitionen stoppen und Arbeitsplätze abbauen müsse, sofern man steuerpflichtig würde, ist ein Strohmann-Argument. Kein Familienbetrieb müsste allein wegen der Erbschaftssteuer verkauft werden.
Mein Vorschlag wäre übrigens, dass wer die Erbschaftssteuer nicht (sofort) zahlen kann, sich den Staat, als Steuergläubiger, zum stillen Gesellschafter machen kann. Wer das geerbte Business gut weiterführt oder verkauft, kann den Staat schnell oder nach und nach über 20 Jahre wieder auszahlen. Macht ein Geschäft nicht genug Profit, um jährlich 1 Prozent Erbschaftssteuer über 20 Jahre zu amortisieren, ist es volkswirtschaftlich vielleicht auch von wenig Wert? Der derzeitige Vorschlag sieht immerhin eine Stundung vor. Die Erben würden auch in diesem Fall noch einen Großteil des Erbes steuerfrei und verglichen mit anderem Einkommen sehr günstig erhalten. Was uns zum nächsten Argument bringt:
Der IQ-Test mit dem mehrfach versteuertem Geld
Die “Doppelbesteuerung”: Ein Volksverdummungsnarrativ, welches Lobbyverbände der Familienunternehmer erfolgreich in die Welt gesetzt haben, und welches — weil es so simpel wie logisch klingt — gern vom Stammtisch bis zum Plenarsaal sekundiert wird. Dabei stimmt diese Plattitüde von hinten bis vorne nicht! Wer was von “bereits versteuertem Einkommen” palavert, will uns für dumm verkaufen.
Eine Doppelversteuerung läge dann vor, wenn der gleiche Sachverhalt oder das gleiche Rechtsgeschäft mehrfach besteuert würde (z.B. von Bundesland und Bund, oder Bundesrepublik und USA). Das ist hier definitiv nicht der Fall und damit sollte schon alles gesagt sein. Aber dennoch…
Das allermeiste Geld, welches Menschen als Einkommen zugeht, wurde bereits besteuert. Wenn ich meinen Handwerker oder die Haushaltshilfe zahle, mache ich das mit (evtl. mehrfach) versteuertem Geld. An der Kasse im REWE scheitere ich regelmäßig, wenn ich die Kassiererin darauf hinweise, dass die MwSt. für mich abzugsfähig wäre, weil ich mein Einkommen ja schon versteuert hätte oder besonders reich bin und mein Geld in der Holding gebunden sei. Gleiches gilt bei Branntwein- oder Tabaksteuer, bei Glücksspiel oder Vergnügungsausgaben. Es spielt einfach keine Rolle.
Und wer hat das Geld denn überhaupt bereits versteuert? Wenn ich ein Milliardenerbe bin und mein Vater, sowie mein Großvater und dessen Vater regelmäßig von Erbschaftssteuern unbehelligt blieben, wann wurde das Geld denn eigentlich überhaupt versteuert? Bei Graf Schwerin von Krosigk oder am Hof von Karl V., Kaiser Wilhelm, Heinrich oder Otto?
Und was ist mit erhaltenen Subventionen und staatlichen Hilfen, die zum Vermögensaufbau beigetragen haben? Sind solche nach dem Tod dann verzinst zurückzuzahlen?
Und die Wertsteigerung? Wann wurde dieser Zugewinn eigentlich besteuert? Wenn Firmen, Immobilien, Unternehmensanteile durch Asset Price Inflation und Wachstum im Wert stiegen, wurde eben diese Wertsteigerung, die in der Regel den Großteil des vererbten Vermögens ausmacht, eben noch nicht besteuert. Es ist in der Regel ja nicht das vermeintlich hoch versteuerte Erwerbseinkommen, welches steuerfrei durch die Schlupflöcher weitergereicht wird, sondern aufgebaute und zuvor bereits ererbte Vermögenswerte.
Fakt ist: Selbst wenn der Erblasser sein Vermögen bereits versteuert hätte — was er in der Regel (s.O.) nicht hat — so hat der Steuerpflichtige, nämlich der Erbnehmer es eben noch nicht. Für ihn oder sie stellt die Erbschaft oft — nicht immer — verdienstfreies und im schlimmsten Fall steuerfreies Einkommen dar. Ein Privileg, welches man andernorts nur in der Illegalität findet.
Auch die Privatautonomie des Erblassers wird durch die Steuer nicht verletzt. Er kann sein Vermögen weiterhin hinterlassen, wie er es wünscht und muss es in keinem Fall erneut versteuern. Eine Steuer würde — wenn überhaupt — nur den Erbnehmer treffen, der diesen Vermögenszugang — wie jeden anderen auch — und im Vergleich zu Arbeits- oder Kapitaleinkünften sogar relativ günstig versteuern muss.
Das Narrativ vom bereits versteuerten Geld basiert auf einer feudalen Familienfiktion, in der Geld, Kapital und Ländereien, welche ein Adelsgeschlecht im Mittelalter erobert oder Urgroßväter durch Arisierung angeeignet haben bis zum Erliegen der Blutlinie von dem Zugriff der Allgemeinheit geschützt werden muss. (Während das Erwerbseinkommen der Mittelschicht und dessen Überlassung progressiv besteuert wird.) Steuersubjekt sind aber in Deutschland nicht ganze Stammbäume, aus denen eine virtuelle juristische Person konstruiert wird, die nur einmal besteuert werden kann, sondern die Individuen und deren höchstpersönliches Einkommen (=Vermögenseingang).
Kein Gefallen tut sich jedoch die SPD, wenn sie ihre Reform mit plakativen Instagram-Kacheln mit Champagner-Flaschen und Schoßhündchen bewirbt. Das ist nicht weniger populistisch, als die Narrative der Familienunternehmer. Die Erbschaftsteuer auf niedrige Motive wie Neid herunterzubrechen ist dumm und wird der Notwendigkeit nicht gerecht. Es geht nämlich beileibe nicht darum, Reiche mehr zu besteuern!
Im Gegenteil: Die Erbschaftssteuer ist in ihrer derzeitigen Ausgestaltung keine Reichensteuer, sondern eine Steuer, welche die gehobene Mittelschicht schröpft, während sie Milliardäre verschont. Nicht Neid, Nepo-Babies oder Nicht-Verdiener sind unsere Herausforderung, sondern die schreiende Ungerechtigkeit, dass Menschen mit weniger Einkommen höher belastet werden.
Ich persönlich hielte eine Flat-Tax zwischen 15 und 20 Prozent sogar für einfacher und anschlussfähiger, sofern die Bemessungsbasis deutlich steigt und Ausnahmen abgeschafft werden. Moderate Steuersätze erhöhen die Akzeptanz, Progressivität gibt es dennoch implizit durch hohe Freibeträge. Erhöhte Freibeträge für Unternehmen sind im vorgeschlagenen Rahmen (5 Mio) ebenfalls vertretbar. Freibeträge sollten natürlich regelmäßig der Inflation angepasst werden.
Die “familiäre Nähe” über verschiedene Steuerklassen zu belohnen halte ich sowieso für antiquiert. Millionen von Familienschicksalen zeigen, dass die engsten Verwandten nicht zwangsläufig die besten Erbnehmer darstellen und überhaupt sollte sich der Staat aus der Familienkreisdefinition meiner Meinung nach so weit wie möglich raushalten.
Wer das alles für linke Propaganda und Umverteilungsutopie hält, dem sei gesagt, dass auch der Sachverständigenrat Wirtschaft der Bundesregierung (“Wirtschaftsweisen”) ebenfalls eine Reform der Erbschaftssteuer begrüßt. Ihr ehemaliger Vorsitzender Bert Rürup zitiert sogar John Stuart Mill, den bekanntesten Vordenker des Liberalismus(!) im 19. Jahrhundert. Mill war überzeugt, dass Erbschaften in Gänze an den Staat fallen sollten, da der meritokratische Charakter der Vermögensentstehung nicht gegeben sei. Selbst der dem übertriebenen Sozialismus unverdächtige Jens Spahn (CDU) regte im September 2025 eine Reform an und erntete Beifall dafür.
Dass Ulf Poschardt mit aller Härte gegen die Reform wettert, sollte einen ebenfalls von ihr überzeugen. Seine Argumentation kommt über Schuldzuweisungen und Generalkritik an Steuern und SPD nicht hinaus. Vielleicht schreibt die von Springer alimentierte Testarossa-Tippse aber auch nur in vorauseilendem Gehorsam gegenüber dem Dienstherrn. Er selbst, der im Gegenteil zu seinem verdienstvollen und umtriebigen Kollegen Robin Alexander den Sprung ins Unternehmertum noch nicht wagte, würde definitiv von der Reform der Steuer profitieren. Diese rationale Einsicht brächte aber weder Klicks noch Kommentare.
Fazit. Die Berechtigung und Höhe einer Erbschaftssteuer ist eine politische Debatte, in der man verschiedener Meinung sein kann. Dass die Gerechtigkeit und Effektivität der derzeitigen Ausgestaltung mehr als mangelhaft ist, stellen nur jene in Frage, die von ihrer Löchrigkeit regelmäßig Gebrauch machen. Die meisten ihrer Scheinargumente zerfallen schon nach oberflächlicher Revision wie Schneeflocken im Tauwetter.
🔗 Handelsblatt | Tagesschau | Netzwerk Steuergerechtigkeit | Finanzwende
“Eigenschaften werden selten vererbt, sondern verlöschen mit dem Tode ihres Trägers. Deshalb sollte man sich nicht auf die Erbfolge verlassen.”
Das sind die weiteren News der Woche:
🛑 Trump droht mit neuen Zöllen: “Something is rotten in the state of Denmark” Von Shakespeares Hamlet hat Trump natürlich keinen Schimmer. Machtspiele sind aber sein Hobby. Erneut versetzt der alternde US-Präsident die Märkte in Schockstarre, weil er den Unterstützern der territorialen Integrität von Dänemark (Grönland-Konflikt) einen 10-prozentigen Aufschlag auf US-Zölle in Aussicht stellt, welcher schnell auf 25 Prozent steigen könnte. Die EU bereitet entsprechende Vergeltungsmaßnahmen vor.
Die Aktion beweist vielerlei: Zunächst, dass es keine Stabilität oder Deals mit Trump gibt. Man kann jederzeit wieder an den Verhandlungstisch gezerrt werden, sobald es neue Begehrlichkeiten in Washington gibt. Vorherige Absprachen (EU-Zoll-Abkommen) sind das Papier nicht wert, auf dem sie unterschrieben werden sollten. Trump zeigt auch, dass die Speichellecker-Diplomatie der letzten Monate ultimativ nicht hilft. Gleich ob man Trump Geburtsurkunden, Goldbarren oder Friedensnobelpreise präsentiert, der Deal-Donald scheint nur durch Stärke oder Bestechungen in Form von Crypto-Zuwendungen beeinflussbar.
Mit der Volatilität und Unberechenbarkeit schadet Trump auf jeden Fall Unternehmen in Amerika und der ganzen Welt. Nichts hemmt Investitionen mehr als unklare Zukunftsaussichten. Oder wird es nur wieder der typische FAFO/TACO-Cycle, indem Trumps Wallstreet-Freunde ein paar Milliarden machen, während sie die Aufregung der Märkte traden?
🔗 The Guardian | Financial Times
🤑 Musk will 134 Milliarden US-Dollar von OpenAI: Der Weg zum ersten Dollar-Billionär könnte für Elon Musk über den größten Corporate Shakedown der Geschichte führen. Kurz gesagt, der reichste Mensch der Welt, gleichzeitig Gründungsfinanzier vom einstigen Non-Profit OpenAI fühlt sich übergangen, weil man nach seinem Ausscheiden eines der wertvollsten For-Profit-Unternehmen aus dem KI-Labor machte. Zum Hintergrund gehört aber auch, dass Musk einst versuchte es ebenso zu tun, die Kontrolle an sich zu reißen um Profit aus OpenAI zu schlagen, und dabei kläglich scheiterte. Emails belegen das. Musk scheint es aber nicht nur ums Geld zu gehen. Vor allem behindert er mit seiner Klage die weitere Finanzierung und einen möglichen IPO von OpenAI. Meine Netflix-Jura-Ausbildung vermutet hier daher einen Fall von Malicious Interference.
🔗 TechCrunch | Reuters
📢 OpenAI startet ChAdGPT: Am Freitag kündigte Sam Altman an, dass Nutzer der kostenlosen Version fortan Werbeanzeigen unterhalb der ChatGPT-Konversationen sehen werden. Zudem rollt das 500-Milliarden-Dollar-”Startup” eine günstigere 8-Dollar-Subscription aus, welche ebenfalls Werbung enthalten wird. Zuletzt häuften sich Kündigungen von Nutzern in den teureren Abos. OpenAI schwört, die Nutzererfahrung auch weiterhin zu priorisieren. Erfahrungsgemäß wird das schwer, wenn man einmal am Werbetropf hängt, ist die Versuchung groß, das Ventil einfach immer ein bisschen weiter zu öffnen.
🔗 Financial Times | The Verge | Sam Altman
🎧 Parloa verdreifacht Bewertung: Nach nur 8 Monaten hat das Berliner Unicorn Parloa seine Bewertung noch einmal verdreifacht. Das Startup, welches Kundenservice- und Help-Desk-Agenten mit KI ablöst, sammelt 350 Millionen US-Dollar von General Catalyst ein. Ebenfalls dabei in der 3-Milliarden-Runde sind EQT Ventures, Altimeter, Durable Capital und Mosaic Ventures. Im Dezember vermeldete die Firma, selbst die 50 Millionen US-Dollar ARR geknackt zu haben. Die Bewertung entspräche damit etwa dem 60-fachen des (annualisierten) Umsatzes. Ein sportliches Sales-Multiple, aber die Berliner wachsen auch schnell.
🔗 TechCrunch | Financial Times
🍃 osapiens jüngstes Unicorn aus Deutschland: Nicht der Sockendealer SNOCKS, sondern die ESG-Enabler von osapiens werden Mannheims erstes Unicorn. Ein Joint Venture von BlackRock und Temasek (Staatsfond Singapur) investiert glatt 100 Millionen US-Dollar in die Carbon-Tracker mit Sitz am Mannheimer Bahnhof. Zuvor vertrauten schon Armira Growth und Goldman Sachs Alternatives in das Startup.
🔗 Tech.eu | Ventureburn
🪰 Weitere News gibt es in der letzten Folge des Doppelgänger Podcast…
🔗 Doppelgänger Podcast
📶 Chart der Woche: Grönland - Schatz unter dem Eis

Grönland gilt im Jahr 2026 als eine der weltweit bedeutendsten Regionen für unerschlossene Bodenschätze, insbesondere für die grüne Energiewende und Hochtechnologie.
Wichtigste Rohstoffvorkommen
Seltene Erden: Die Insel beherbergt einige der weltweit größten Vorkommen dieser Metalle, die für Smartphones, Windkraftanlagen und Verteidigungstechnik essenziell sind.
Strategische Metalle: Bedeutende Lagerstätten von Lithium, Kupfer, Zink, Molybdän und Graphit.
Edelmetalle & Erze: Vorkommen von Gold, Silber, Platin und Eisenerz.
Fossile Brennstoffe: Große geschätzte Vorkommen an Erdöl und Erdgas vor der Küste, deren Förderung jedoch politisch und ökologisch umstritten ist.
🔗 Orennia
🎧 Sehenswert: Trump und die Tech-Giganten – Das Spiel um Macht (ca. 59 min)

Die circa einstündige ARD-Dokumentation beleuchtet Trumps Verbindungen ins Silicon Valley. Elon Musk, Peter Thiel, Mark Zuckerberg oder Sam Altman pflegen enge Kontakte zur neuen amerikanischen Regierung. Wirtschaft, Technologie und Politik verschmelzen in nie dagewesenen Ausmaß. Dabei geht es nicht nur um Deregulierung und große Investitionen, sondern auch um eine neue Vision der Zukunft. Dass Staaten wie Unternehmen geführt werden sollten, zum Beispiel oder, dass Technologie die Lösung für die großen Menschheitsprobleme ist. Wie groß ist der Einfluss der Tech-Elite unter Präsident Trump?
🔗 ARD Mediathek
🖨️ Earnings Season: Quartalsergebnisse der Woche
Montag 19. Januar: —
Dienstag 20. Januar: Netflix (AMC), United Airlines (AMC), Interactive Brokers (AMC)
Mittwoch 21. Januar: Johnsen & Johnsen (BMO)
Donnerstag 22. Januar: Procter & Gamble (BMO), intel (AMC)
Freitag 23. Januar: —
Dieser Newsletter wird auch weiterhin jeden Montagmorgen auf wundersame Weise in Deiner Inbox erscheinen. Einen Faxabruf gibt es leider nicht. Vielleicht solltest Du die Absender-eMail in Deinem eMail-Programm whitelisten oder den Newsletter in Deine Primary Inbox verschieben, um keine Ausgabe zu verpassen.
Danke für Deine Zeit und Aufmerksamkeit! ❤️
📮 Schick mir gern Dein Feedback an [email protected] oder leite diese Mail an Freunde und Kollegen weiter, wenn Du sie nützlich fandest.
Oder nutze diesen Link um ihn in sozialen Netzwerken und mit Freunden zu teilen: https://doppelgaenger.beehiiv.com/subscribe?ref=PLACEHOLDER