- Doppelgänger Update
- Posts
- KW3 - Elons nackte Kanone
KW3 - Elons nackte Kanone
Doppelgänger Update (BETA)
Von Philipp Klöckner · 12. Januar 2026
👋 Hallo! Du empfängst diesen Newsletter als eine(r) von 🥳 22,565 Abonnent:innen (+411).
❤️ Danke an alle, die letzte Woche neue Leser:innen auf unseren Newsletter aufmerksam gemacht haben! Die “Share the Newsletter” Funktion findet ihr am Ende der aktuellen Ausgabe. Der heutige Newsletter hat 1.492 Wörter und das vollständige Lesen dauert etwa 5 Minuten. Heute ist Montag, der 12. Januar 2026 und die KW3 startet.
⚖️ Nackte KI-Kanone oder Krebsheilung?

Hat Grok generiert… 🤷♂️
Mal wieder macht xAIs wilder Chatbot Schlagzeilen und erneut sind sie wenig rühmlich. So wird die Bildbearbeitungsfunktion von Grok tausendfach genutzt, um überwiegend Frauen auf Fotos zu entblößen oder in sexualisierte Posen zu versetzen. Offenbar kennt Elon Musks KI-Kind keinerlei Regeln oder Sicherheitsmechanismen. Ob Opfer der Manipulationen einverstanden sind oder nicht, scheint Musk egal. Nicht egal sollte ihm sein, dass Nutzer Grok auch nutzen, um Politiker, religiöse Führer und Minderjährige zu sexualisieren.
CSAM-Content, zum Beispiel die Darstellung von Kindesmissbrauch, verkaufte Musk stets als rote Linie für den ansonsten einen Free-Speech-Maximalisten mimenden X-Besitzer. Nun editiert sein KI-Genie tausendfach Minderjährige in explizite Positionen oder besudelt sie mit Körperflüssigkeiten. Dabei kreiert Grok mehr Inhalte als die nächsten 5 Deepfake-Seiten zusammen.
Vier von fünf Opfer sind weiblich, jedes fünfzigste dem Anschein nach nicht volljährig ermittelten Forschende. Zwar entschuldigt sich Grok auf Nachfrage teilweise für sein Fehlverhalten und gelobt Besserung, doch der AI-Exhibitionismus scheint kein Bug, sondern ein Feature zu sein.
Auf einen X-Post, der in Frage stellte, ob erotische Inhalte wirklich die beste Verwendung von Musks KI-Superclustern aus GPUs wären, weil man damit ja auch Krankheiten heilen oder Überfluss für die Menschheit ermöglichen könnte, verrät Elon Musk selbst, dass knallharte Kalkül hinter dem Schmuddelmodus:
Musk erklärt, dass das Videokassetten-System VHS den Konkurrenten Betamax ausstach, weil man die Erwachsenenunterhaltung zuerst auf das neue Format bekam. Gleiches unterstellt man der Blu-Ray-DVD und generell lautet eine alte Binse, dass das Internet quasi für Pornographie erschaffen wurde.
Inzwischen haben Indonesien und Malaysia die App verboten und das Vereinigte Königreich arbeitet mit Kanada und Australien ebenfalls an einer Verbannung. Musk unterstellt ein weiteres Mal, dass dies nur eine weitere Unterdrückung der Redefreiheit wäre. Er ist aber auch dumm es Staaten so einfach zu machen, selbst wenn er Recht haben sollte mit seiner Unterstellung, hilft es nicht derart Missbrauch zu begünstigen.
Musk verspricht, Nutzer, die gegen Gesetze verstoßen, zu bestrafen. (Zumindest in diesem Fall. Ich bin gespannt, ob X die Daten der Nutzer herausgeben und mit Ermittlungsbehörden kooperieren wird.) Auf die Idee, den Account, der diese Bilder letztlich veröffentlicht, nämlich @Grok, zu verbannen kommt er natürlich nicht.
Außerdem steht ein weiterer Elefant im virtuellen Raum: Warum verbannen Google und Apple die App nicht aus ihren App-Stores? X verstößt klar gegen die Richtlinien der Plattformbetreiber. Elizabeth Lopatto von The Verge nennt die CEOs Feiglinge und titelt: “Tim Cook and Sundar Pichai are cowards”.
Die beiden 4-Billionen-Gorillas scheinen immer noch (oder schon wieder) Angst vor dem Zorn und der Macht Musks und Trumps zu haben. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet am 3. Januar erstmals über Grok schmutzige Phantasien. Einen Tag später postet Elon Musk demonstrativ ein Bild von sich und dem Präsidentenpaar bei einem “lovely dinner”. Das kann Zufall sein — mich erinnert es an Bushido, der seinen Clan-Rücken mit auf den roten Teppich schleift, um zu symbolisieren, dass ihm niemand etwas anhaben kann. In jedem Fall postet Musk diesen unscharfen Schnappschuss nicht ohne Grund.

Elon Musk und die Trumps beim Neujahrsdinner | X
Die Spicy-Grok-Episode ist aber nur ein besonders geschmackloser Vorbote für den Zielkonflikt, der uns 2026 noch weit mehr beschäftigen wird, als uns lieb ist: xAI, OpenAI, Anthropic, Meta und Google stehen allesamt tagtäglich vor der Entscheidung ihre KI-Produkte zu verbessern, mächtiger und nützlicher zu machen, oder den nächsten Schritt oder Durchbruch in der KI-Forschung zu ermöglichen.
ODER sie lassen die teuersten Entwickler der Welt daran arbeiten, ihre Produkte schmutziger, zügelloser, suchtführender und zeitraubender zu gestalten, um die Zahl der Nutzer und von ihnen verbrauchte Nutzungszeit zu maximieren. Denn klar ist auch, der Nutzung von X verschafft der Grok-Skandal neue Rekorde und das sieht und weiß Musk.

Suchanfragen nach “Grok” - Quelle: Google Trends
Das liegt zugegebenermaßen natürlich auch an der Lage in Venezuela und dem Iran. Warum die Suchanfragen nach “Grok” aber seit dem Jahresanfang in die Höhe schnellen, erklärt der “Bikini-Modus” weit besser als der Jogginganzug von Maduro.
Musks Schmuddelschlacht schein aufzugehen. Nutzer erzeugen immer neue Übergriffe mittels Grok, diese ziehen teilweise als Memes in die Internetkultur ein oder finden auf Grok und im Rest des Netzes zusätzliche Verbreitung und ziehen wieder neue Nutzer mit klaren Motiven an. Der Entwicklung von KI hilft das nicht. Vielleicht aber der nächsten Fundingrunde für xAI.
Die gilt nun nämlich als abgeschlossen. 20 Milliarden US-Dollar an neuen Aktien und Schulden konnte Musks für seine KI-Vorhaben einwerben. In der Pressemitteilung wirbt man auch erstmals seit langem wieder mit der kombinierten Reichweite von X und Grok. Mehr als 600 Millionen monatlich aktive Nutzer (MAUs, eine Kennzahl, die X eigentlich nicht mehr reportet) verkündet man stolz. Derzeit kommen wieder ein paar Millionen hinzu. Oft auch um die Banknachbarin, Arbeitskollegin oder andere Bildaufnahmen von überwiegend weiblichen Personen ohne deren Zustimmung digital von Grok entblößen zu lassen.
Wollust ist nur einer von vielen niedrigen Instinkten. Schon bald werden Grok und Co. den Rest unserer menschlichen Schwächen ausnutzen oder sind bereits dabei. Eitelkeit adressieren Modell mit Speichelleckerei (“AI Sycophancy"), Coaching-Modi geben vor uns Orientierung zu verschaffen, andere versprechen Gesundheit und längeres Leben, wieder andere werden uns erlauben unsere wildesten Träume auszuleben. Machen wir so weiter, wird KI zur nächsten Evolutionsstufe von Social Media, eine Technologie, welche überwiegend auf der Ausbeutung menschlicher Schwächen abzielt.
🔗 CNN | Bloomberg
“the real lesson? you don't beat capitalism by being better, you beat it by being sluttier.”
Das sind die weiteren News der Woche:
🍎 Apple setzt auf Gemini: Zumindest für dieses Jahr hat Apple seinen KI-Partner gewählt: Google Gemini bietet laut Apple die besten Fähigkeiten. Kulturell sollten für Tim Cook vermutlich sowieso nur Claude oder Gemini in Frage gekommen sein. Weder eine Allianz mit Microsoft oder OpenAI scheint erstrebenswert und ganz sicher braucht Apple xAIs Troublemaker Grok nicht.
🔗 CNBC
📦 Google setzt auf neues Commerce-Protokoll: Mit Partnern wie Shopify, Etsy, Wayfair, Target und Walmart startet Google ein neues Agentic-Commerce Protokoll namens Universal Commerce Protocol (UCP). Die Schnittstelle soll unter anderem auch dazu dienen, Produkte im AI-Mode von Google anzubieten. Das Wort Universal ist ambivalent - es kann allumfassend heißen oder einen einzigen Service beschreiben. Das nächste Google-Monopol?
🔗 TechCrunch
🌑 Anthropic und xAI raisen neues Geld: Claude-Erschaffer Anthropic sammelt 10 Milliarden US-Dollar auf einer Bewertung von 350 Milliarden ein. Weiterhin niedrige Verwässerung und hohe Kapitaleffizienz. Elon Musks xAI sichert sich 20 Milliarden — vermutlich Equity und Schulden — auf ca. 200 Milliarden Bewertung. Musks Firma wird das Jahr mit weniger als 400 Millionen Umsatz abschließen. Anthropics Umsatz liegt mindestens beim 20-fachen von xAI.
🔗 WSJ | X
🪰 Weitere News gibt es in der letzten Folge des Doppelgänger Podcast…
🔗 Doppelgänger Podcast
📶 Chart der Woche: Echter Wohlstand?

Die beste Wirtschaft seit langem? In den USA diskutieren Trump-Anhänger gerade, ob die Wirtschaft 2026 um 5 oder doch 6 Prozent wachsen wird. Elon Musk glaubt gar an zweistellige Wachstumszahlen beim U.S.-GDP. Ob das so eintritt, wenn man es z.B. schafft, die FED zu übernehmen und die Zinsen zu senken, ist eine Sache.
Wichtiger finde ich: Sofern der Dollar weiter Kaufkraft verliert und die mittleren Einkommen nicht an dem Wachstum partizipieren, wird weder Amerika noch das Prinzip Amerika gewinnen. Die letzten Jahre hat vor allem eine supra-nationale Klasse an Milliardären die Wohlstandsgewinne verbucht, während der Anteil der Lohneinkommen am GDP immer weiter sinkt. Oder einfach gesagt: Es wird immer schwerer, durch Erwerbseinkommen reich zu werden oder sich auch nur ein Holzhaus zu leisten. Mit dem Wohlstand einer Nation hat das GDP immer weniger zu tun.
🔗 Holger Zschäpitz via Bloomberg
🎧 Hörenswert: OMR Predictions 2026 (ca. 86 min)

Eine gute Tradition besteht inzwischen darin mit Philipp Westermeyer im OMR-Podcast eine Neujahrsepisode aufzunehmen. Dabei geht es nur nebenbei um meine eigene Sicht; hauptsächlich diskutieren wir zu zweit die Hypothesen der OMR Hörerschaft für das Jahr 2026. Viel Spaß!
🔗 OMR | YouTube | Spotify | Apple Podcasts
🖨️ Earnings Season: Quartalsergebnisse der Woche
Montag 12. Januar: —
Dienstag 13. Januar: —
Mittwoch 14. Januar: —
Donnerstag 15. Januar: —
Freitag 16. Januar: —
Dieser Newsletter wird auch weiterhin jeden Montagmorgen auf wundersame Weise in Deiner Inbox erscheinen. Einen Faxabruf gibt es leider nicht. Vielleicht solltest Du die Absender-eMail in Deinem eMail-Programm whitelisten oder den Newsletter in Deine Primary Inbox verschieben, um keine Ausgabe zu verpassen.
Danke für Deine Zeit und Aufmerksamkeit! ❤️
📮 Schick mir gern Dein Feedback an [email protected] oder leite diese Mail an Freunde und Kollegen weiter, wenn Du sie nützlich fandest.
Oder nutze diesen Link um ihn in sozialen Netzwerken und mit Freunden zu teilen: https://doppelgaenger.beehiiv.com/subscribe?ref=PLACEHOLDER