KW25 - Wer Doom sät...

Doppelgänger Update (BETA)

Von Philipp Klöckner · 15. Juni 2026


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❤️ Danke an alle, die letzte Woche neue Leser:innen auf unseren Newsletter aufmerksam gemacht haben! Die “Share the Newsletter” Funktion findet ihr am Ende der aktuellen Ausgabe. Der heutige Newsletter hat 1.515 Wörter und das vollständige Lesen dauert etwa 5 Minuten. Heute ist Montag, der 15. Juni 2026 und die KW25 ist bereits startet.

🛑 Wer Doom sät, wird Gloom ernten?

Anthropic CEO Dario Amodei gilt als KI-Mahner. Regelmäßig warnt der Mann, der OpenAI verließ, um sein eigenes Labor zu gründen, vor den möglichen negativen Auswirkungen von künstlicher Intelligenz. Kritiker werfen Amodei “Fear Mongering“ vor, also dass er die Technologie nur zu Marketingzwecken als gefährlicher darstelle, als sie tatsächlich sei.

Am vergangenen Wochenende ließ die US-Regierung nun die Nutzung des jüngsten Anthropic-Modells namens “Fable” unter Exportkontrollen stehen. Ausländische Nutzer, einschließlich der Angestellten von Anthropic, dürfen keinen Zugriff mehr auf das Modell erhalten. Bei Fable handelt es sich um eine für die Öffentlichkeit entschärfte Version des sagenumwogenen Mythos-Modells, welches Anthropic als so gefährlich vermarktete, dass man zunächst nur den relevantesten US-Unternehmen exklusiven Zugang gewährte. Insbesondere die “Hacking Skills” von Mythos sollen zu sophistiziert gewesen sein, um sie für jedermann zu öffnen.

Beim Launch von Fable vor einer Woche, sorgte Anthropic dafür, dass das Modell bei potenziell sensiblen Anfragen automatisch auf die weniger mächtige Claude Opus 4.8 Version downgradete und quasi die Arbeit verweigerte. Da das Modell auch bei vermeintlich unverfänglichen Anfragen die Arbeit verweigerte, häufte sich die Kritik an Claudes paternalistischer Arbeitsweise.

Die Trump-Apologeten im libertär geneigten “All In”-Podcast, framten die Beschneidung der Fähigkeiten direkt als Zensur und monierten, dass Anthropic willkürlich entscheiden würde, wer Zugang zu den mächtigsten Modellen bekäme und wer nur die entschärfte Version erhielte. Dass Anthropic als Unternehmen sehr wohl entscheiden kann, wem man welche Leistung verkauft, und es Aufgabe der sonst allwissenden Marktlogik wäre, ein womöglich zu restriktives Verhalten zu sanktionieren, fiel dem libertären Männerbund nicht auf.

Stattdessen fordern sie die Freilassung der ungezügelten Software für jedermann. Dass dies mit ganz realen Risiken des Missbrauchs — zum Beispiel zum Bau einer Biowaffe oder einer Explosionsladung — einhergeht, scheint sie nicht davon abzuhalten. Zumindest bis man wieder von tiefer Trauer ergriffen eine “Emergency Episode” zum nächsten Anschlag, der Dank KI ermöglicht wurde sendet.

Zum Ende des aktuellen Sendung scheint noch mal durch, woher die Antipathie und Kritik gegenüber Anthropic rühren könnte. Von jeher war man kein Fan der Firma, welche laut “All in”-Bestie Elon Musk “Woke AI” bauen würde. Zwar lobte man die Leistung von Claude Code, CEO Amodei und seine Kommunikationsstrategie kritisierte man jedoch regelmäßig heftig. Allen voran der inzwischen aus dem Amt geschiedene White House AI Czar David Sacks, der keinen Hehl aus seiner Abneigung macht.

Voll des Lobes würdigt das Tech-Bro-Quartett dann aber die OpenAI CFO Sarah Friar, welche zuletzt auf ihrer "Liquidity” Konferenz sprach. Die Sympathien scheinen klar verteilt. Warum muss OpenAIs Codex auf Basis von GPT-5.5 eigentlich nicht unter Embargo gestellt werden? Hatte David Sacks nicht neulich noch behauptet, es würde Mythos quasi in nichts nachstehen? “OpenAI’s GPT-5.5-cyber can now do the same” sagte er wörtlich. Können die Modelle ebenso mächtig sein und dennoch unterschiedlich eingedämmt werden?

Mein erster Gedanke war tatsächlich, dass hier entweder der Börsengang von OpenAI gerettet werden soll oder man die Gelegenheit nutzt, um Anthropic nach dem Clash mit dem Pentagon einen weiteren Denkzettel zu verpassen. Noch mehr Häme als die Podcast-Pöbler legt nämlich das selbsternannte Kriegsministerium an den Tag. Kriegsminister Hegseth und seine CIO Kirsten Davies twittern jedenfalls, als hätten sie noch eine Rechnung mit Dario Amodei offen. Aber eine alte Weisheit meint, man sollte nicht Boshaftigkeit unterstellen, wenn Dummheit eine hinreichende Erklärung wäre.

Und dumm ist die Wochenendintervention des Trump-Kabinetts auf jeden Fall. Das Regierungseingreifen führt nämlich nicht nur uns in Europa und dem Rest der Welt, sondern auch US-Unternehmen vor Augen, welcher Willkür man unterworfen ist, wenn man auf proprietäre US-Technologie aufbaut. Die rationale Schlussfolgerung wäre, in Zukunft auf Open-Source-Technologie auf eigenen Servern zu setzen und so ein Mindestmaß an Souveränität mithilfe von chinesischen Open-Weights-LLMs zu erreichen. Sollte dieses Modell, welches Startups auf der ganzen Welt längst verfolgen Schule machen, hätte die US Regierung ihrer eigenen KI-Industrie, an der gerade das Schicksal der gesamten Wirtschaft hängt, einen Bärendienst erwiesen.

Aus derzeitiger Sicht fällt es schwer, den Sinn der jüngsten Maßnahme von Trumps Dödeltruppe nachzuvollziehen. Auch warum ausgerechnet Amazon-CEO Andy Jassy, dessen Unternehmen einer der größten Shareholder in Anthropic ist, die angeblichen Sicherheitslücken an die US-Regierung herangetragen haben soll, bleibt unklar. Warum man glaubt, dass nur Nicht-US-Bürger eine Gefahr darstellen; während US-Bürger und Menschen, die sich Zugang zu einem US-Account sichern können, offenbar bedenkenlos weiter die mächtigen Mythos-Klasse-Modelle nutzen dürfen, ist ebenso schwer zu verstehen. Die Prävalenz von School-Shootings oder der Anschlag von Oklahoma sollte den USA klarmachen, dass ebenso viel Gefahr aus dem Inland droht wie aus dem Ausland.

Die aufgeladene Rhetorik und das erratische Vorgehen lassen mich an der offiziellen Begründung für das Manöver zweifeln. Auch dass Amodei (und seine Investoren) nicht konstruktiv an einer Lösung gearbeitet hätten, scheint eher unwahrscheinlich. Schaut man sich an, wer die Nacht-und-Nebel-Aktion am energischsten verteidigt, wirkt die Ordnungsschelle für Claude eher wie die dritte Runde im Kulturkampf zwischen der Trump-&-Thiel-Dynastie und einem Unternehmen, dass sich selbst das verliehen hat, woran es der Trump-Administration in Geschlossenheit mangelt: Einen moralischen Kompass.
🔗 Wall Street Journal | All In Podcast

💬 Zitat der Woche

“Dieser Text wurde zu hundert Prozent mit KI, genauer von Gemini (Google) generiert.”

Dr. Mathias Döpfner, Journalist und CEO der Axel Springer SE, der sich dafür verbürgt, ausgerechnet einen Meinungsartikel für die Zeitung WELT (Link) binnen nur einer Sekunde per Google KI generiert zu haben. Während ich es im Allgemeinen befremdlich finde, seine höchstpersönliche Meinung an eine KI auszulagern, könnte es im konkreten Fall vermeintlich sogar zu einer Verbesserung der Lage beitragen?

📰 Das sind die weiteren News der Woche: 

🚀 SpaceX-IPO bricht Rekorde: SpaceX hat bei seinem monumentalen Nasdaq-Debüt 75 Milliarden US-Dollar eingesammelt und startete mit einer Bewertung von mehr als 2 Billionen Dollar, was Elon Musk auf dem Papier zum ersten Billionär der Welt macht. Trotz eines Nettoverlusts von 4,3 Milliarden Dollar im ersten Quartal 2026 trieb der enorme Retail-Hype den Aktienkurs direkt nach oben. Mit einem zwanzigprozentigen Anstieg am ersten Handelstag besorgten die Investmentbanken den perfekten IPO für Musks Weltraumfirma. Das Besondere: Prediction-Märkte wie Polymarket hatten den IPO-Preis im Vorfeld über Krypto-Futures fast centgenau vorhergesagt, was neue Maßstäbe für zukünftige Tech-Börsengänge setzt.
🔗 CNBC | TechCrunch

🇬🇧 Social-Media-Bann für Teenager: Die britische Regierung unter Premierminister Keir Starmer greift radikal durch und hat ein Verbot von Social-Media-Plattformen wie TikTok, Instagram und Snapchat für Jugendliche unter 16 Jahren angekündigt. Die Maßnahme, die nach dem Vorbild Australiens als „Australien-Plus“-Modell ab Frühjahr 2027 greifen soll, betrifft auch Livestreaming und Chatfunktionen in Gaming-Apps. Um das Gesetz durchzusetzen, droht der Tech-Branche ein immenser regulatorischer Aufwand, da künftig die Altersverifikation aller britischen Nutzer flächendeckend überprüft werden muss.
🔗 The Financial Times | BBC | The Guardian

📺 Fox schnappt sich Roku: Die Fox Corporation übernimmt den Streaming-Pionier Roku in einem 22 Milliarden US-Dollar schweren Cash-and-Stock-Deal (160 USD je Aktie), um ein neues Medienschwergewicht im US-TV-Markt zu formen. Durch die Fusion wandern Rokus über 100 Millionen Streaming-Haushalte und The Roku Channel unter das Dach von Fox, das damit seine Live-Inhalte (Sport und News) sowie den eigenen Streamingdienst Tubi massiv vertikal integrieren kann. Während bestehende Fox-Aktionäre rund 73 % am neuen Unternehmen halten werden, setzt der Mega-Deal nach der Paramount-Warner-Bros.-Fusion ein weiteres dickes Ausrufezeichen hinter die aktuelle Konsolidierungswelle der US-Medienbranche.
🔗 Wall Street Journal

🪰 Weitere News gibt es in der letzten Folge des Doppelgänger Podcast…
🔗 Doppelgänger Podcast

📶 Chart der Woche: Chinas Token-Fabrik

Quelle: Claude basierend auf Daten von OpenRouter

Droht die Entkoppelung von chinesischer KI? Laut der Statistik des API-Dienstes OpenRouter greifen immer mehr Firmen auf chinesische Open-Weights-Modelle zurück, während die Produktion teurer US-Tokens stagniert.

OpenRouter bildet aber nur einen kleinen Teil des Marktes ab. Die Tendenz ist dennoch interessant.
🔗 OpenRouter

📺 Sehenswert: Haken Dran (ca. 62 min)

SpaceX IPO Review? sollte das Thema des Haken Dran Podcasts am Montag werden. Aber auch mit Gavin spreche ich zudem über die Export-Sperren für das Anthropic-Modell Fable.
🔗 YouTube

📺 Sehenswert: OMR Education zur State of AI (ca. 60 min)

Mit Rolf Herrmann vom OMR Education Podcast spreche ich wie jedes Jahr nochmal über meine Keynote auf der OMR und was seitdem im KI Sektor passiert ist.
🔗 OMR Education | YouTube

🖨️ Earnings Season: Quartalsergebnisse der Woche

Montag 15. Juni:
Dienstag 16. Juni:
Mittwoch 17. Juni:
Donnerstag 18. Juni: accenture (BMO), Kroger (AMC)
Freitag 19. Juni:

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