KW24 - SpaceX IPO: Boost or Bust?

Doppelgänger Update (BETA)

Von Philipp Klöckner · 9. Juni 2026


👋 Hallo! Du empfängst diesen Newsletter als eine(r) von 🥳 26,250 Abonnent:innen (+50).

❤️ Danke an alle, die letzte Woche neue Leser:innen auf unseren Newsletter aufmerksam gemacht haben! Die “Share the Newsletter” Funktion findet ihr am Ende der aktuellen Ausgabe. Der heutige Newsletter hat 1.405 Wörter und das vollständige Lesen dauert etwa 5 Minuten. Heute ist Dienstag, der 9. Juni 2026 und die KW24 ist bereits startet.

🚀 SpaceX IPO: Boost or Bust?

Der Börsengang des Jahrhunderts schien beschlossene Sache zu sein und ein erfolgreiches Börsendebüt fast unausweichlich. Doch die Großwetterlage über Elon Musks Börsenrakete wirkt zunehmend durchwachsen. Wer auf einen deutlichen Kursanstieg am ersten Tag setzt, könnte sich in die Nesseln setzen.

Viel zu wenig Angebot an handelbaren Aktien, geänderte Indexregeln, die passives Kapital zur Nachfrage zwingen, das Wetten auf Elon-hörige Kleinanleger — all das ließ Trading-Gewinne am ersten Börsentag von SpaceX wahrscheinlich erscheinen. Doch das Bild hat sich getrübt.

Der S&P500, vielleicht der mächtigste Aktienindex der Welt, hat seine Regeln überraschend nicht aufweichen lassen. So wird SpaceX mangels Profitabilität und Streubesitz vorerst nicht in den Index gelangen und ETF-Manager, die den Index abbilden, müssen nicht Milliarden in die Space-Aktie stecken, ob sie wollen oder nicht. Ein wichtiger Nachfrageimpuls wird so entfallen.

Bloomberg will erfahren haben, dass die Auftragsbücher des IPOs dennoch schon etwa das Doppelte der verfügbaren Aktien als Nachfrage eingesammelt haben. Zweifache Überzeichnung klingt natürlich, als fände die Aktie reißenden Absatz. Doch angesichts der Tatsache, dass viele IPO-Interessenten ihr eigentliches Interesse künstlich erhöhen, um überhaupt Aktien zu erhalten, wirkt eine doppelte Überzeichnung eher moderat. Top-IPOs wie der des Chipherstellers Cerebras oder der Design-Software Figma waren 20- bzw. 40-fach überzeichnet. Die eventuell absichtlich lancierte Nachricht, dass die Bücher überzeichnet sind, weckt auf diesem Niveau fast mehr Zweifel als Zuversicht.

Retail als Hoffnung? Neben dem passiven ETF-Geld der Kleinanleger war die Hoffnung, dass Zocker, Spekulanten und Elon-Jünger die Aktie am ersten Tag beflügeln würden, das zweite Standbein des gut geplanten Nachfrage-Hypes. Interessanterweise will Musk den Retail-Investoren aber schon beim IPO bis zu 30 Prozent der Anteile, also fast 25 Milliarden zuteilen. Das ist so dumm, dass man davon ausgehen muss, dass er glaubt er könne die Aktien bei Institutionellen Investoren nicht unterbringen und deswegen an Kleinanleger vergibt.

Denn üblicherweise bedenken die IPO-Banken ihre besten Großkunden mit der Zuteilung der Shares, während die Kleinanleger ohne Zugang zum IPO sich die Aktie am ersten Tag im Börsenhandel holen müssen und damit den Preis hochtreiben, deutlich teurer einsteigen und für die ersten Kursgewinne der Alt- und IPO-Investoren sorgen. Warum sollte Musk auf diesen kalkulierbaren Ansturm freiwillig verzichten?

Crypto-Tokens und Prediction-Markets, die auf den Börsengang wetten, sehen SpaceX nicht deutlich über den angepeilten 1,77 Billionen US-Dollar. Das allein wäre schon ein Erfolg. Schließlich wäre es Musk gelungen sein Lebenswerk für 100x Umsatz an die Börse zu bringen und von nun an könnte er Firmen wie Cursor in der aufgeblasenen Währung eigener Aktien bezahlen und solange günstig shoppen gehen, bis der Umsatz die Bewertung von SpaceX aufholt.

Derweil scheint fast jeder Retail-Broker in die Mars-Missionierungs-Kampagne SpaceX IPO eingeladen worden zu sein. Von RobinHood und Revolut, über TradeRepublic bis hin zu klassischen Hausbanken oder CFD-Anbietern wie eToro haben vermutlich mehr als Hundert Banken und Broker die Aufgabe bekommen, SpaceX Anteile unters Fußvolk zu bringen. Den eigenen (und neuen) Kunden Zugang zum IPO zu ermöglichen wäre gutes Marketing für die Anbieter. Der Fakt, dass Kunden jetzt teilweise Zeichnungseinladungen von 3-4 Apps erhalten, wirft dann aber wieder Zweifel an der Begehrlichkeit der Teilnahme auf.

Im schlimmsten Fall könnte SpaceX zur Telekom-Aktie der Gen Z werden und das IPO Jahr für viele der Unternehmen, die in der Warteschleife stehen, gehörig vermiesen. Sollte sich herausstellen, dass Musk um jeden Preis die Bewertung aufblasen wollte und nicht genug Extra-Nachfrage für einen grandiosen ersten Handelstag besorgen konnte, könnte die Stimmung insgesamt kippen.

Oder, die Bücher der Banken füllen sich noch weiter in den nächsten Stunden. Goldman Sachs soll IPO-Interessenten vorgerechnet haben, dass SpaceX seinen KI-Umsatz bis 2030 verhundertfachen könnte und damit auch noch fette EBITDA Margen generieren würde. Ob Anleger die Space-Story glauben, oder der Markt des Elons neue Kleider durchschaut, wissen wir am Freitag.
🔗 Bloomberg | Financial Times

💬 Zahl der Woche

30 Milliarden US-Dollar

Wert des Rechenzeit-Deals, den Google und SpaceX geschlossen haben. Über 3 Jahre wird nach Anthropic jetzt auch Google knapp eine Milliarde pro Monat zahlen, um sich in Musks unausgelastete Data Center einzukaufen.

📰 Das sind die weiteren News der Woche: 

☁️ Alphabet-Tochter Google hat eine weitreichende Cloud-Infrastruktur-Vereinbarung mit Elon Musks SpaceX geschlossen und mietet demnächst Rechenkapazitäten für 920 Millionen US-Dollar pro Monat (Gesamtvolumen rund 30 Milliarden Dollar). Der Deal verschafft Google Zugriff auf rund 110.000 Nvidia-GPUs sowie CPUs und Speicher, um als „Brückenkapazität“ den unerwartet rasant steigenden Bedarf für seine KI-Plattform Gemini Enterprise abzufedern. Google sichert sich im Vertrag strikte Kündigungsrechte, falls SpaceX die versprochenen Chips nicht rechtzeitig bereitstellt, profitiert als langfristiger SpaceX-Frühinvestor (ca. 5 % Anteil) aber gleichzeitig vom enormen Wertzuwachs des Raumfahrtunternehmens.
🔗 Bloomberg

🏦 OpenAI reicht Unterlagen ein: Nur eine Woche nach seinem Rivalen Anthropic hat nun auch der ChatGPT-Macher OpenAI vertraulich die Unterlagen für einen spektakulären Börsengang (IPO) bei der US-Aufsichtsbehörde SEC eingereicht. Das Unternehmen arbeitet mit den Investmentbanken Goldman Sachs und Morgan Stanley zusammen und bereitet eine Erstnotiz vor, die bereits für diesen Herbst geplant sein könnte und eine Bewertung von über 1 Billion US-Dollar anstreben dürfte. OpenAI betonte in einem Statement, dass der genaue Zeitpunkt noch flexibel sei, da einige strategische Schritte als privates Unternehmen einfacher umzusetzen wären, der Antrag ihnen jedoch die Option für ein schnelles Debüt sichert. Der Schritt folgt auf eine Rekord-Finanzierungsrunde im März, bei der OpenAI 122 Milliarden Dollar bei einer Bewertung von 852 Milliarden Dollar einsammelte, und läutet zusammen mit den anstehenden IPOs von Anthropic und SpaceX die größte Härteprüfung für Tech-Aktien an der Wall Street seit einem Jahrzehnt ein.
🔗 Bloomberg

🔨 Geldstrafe für Facebook. Das Landgericht Frankfurt hat ein Ordnungsgeld in Höhe von 100.000 Euro gegen den Facebook-Mutterkonzern Meta wegen zu langsamer Löschung rechtswidriger Inhalte verhängt. Hintergrund ist ein Eilverfahren eines im Gazastreifen eingesetzten Soldaten, der auf der Plattform fälschlicherweise mit Klarname und Foto als Kriegsverbrecher diffamiert wurde. Obwohl Meta die Verbreitung gerichtlich untersagt worden war, blieben die betroffenen Beiträge noch mehr als zwei Wochen online. Das Gericht rügte das zögerliche Vorgehen scharf und wertete Metas Argumente bezüglich interner Verzögerungen und Sprachbarrieren sogar als straferhöhend, da diese auf eine bewusste strukturelle Fehlorganisation hindeuteten.
🔗 Spiegel

🪰 Weitere News gibt es in der letzten Folge des Doppelgänger Podcast…
🔗 Doppelgänger Podcast

📶 Chart der Woche: Peak Temu

Der Versand von Billig-Sendungen aus China geht weiter zurück. Das Paketvolumen von Anbietern wie Shein und Temu ließ im letzten Monat um ca 11% nach. Schuld sind neben Regulierung und Handelspolitik auf die hohen Transportkosten wegen des Iran-Krieges.
🔗 Reuters

📺 Sehenswert: Marys Call - Gibt es die KI-Blase wirklich? (circa 80 min)

Mit Mary Abdelaziz-Ditzow spreche ich über die rasante Entwicklung von Künstlicher Intelligenz und die Frage, ob sich dahinter eine echte Revolution oder doch eine drohende KI-Blase verbirgt. Dabei geht es um den aktuellen Stand der Technologie, die Grenzen von KI, milliardenschwere Investitionen in Rechenzentren, den Energiehunger des Booms und die Frage, wie Big Tech und Bewertungen davon profitieren.
🔗 Spotify | Apple Podcasts

📺 Sehenswert: AI in Finance Podcast (frontal - ca. 66 min)

Wie verändert KI den Banking-Sektor? Darüber spreche ich eine gute Stunde mit Sascha Dewald und Maik Klotz im AI und Finance Podcast.

Das und noch viele andere Themen diskutieren die Kolleg:innen von Payment & Banking übrigens auch auf der KI Exchange am 23. Juni in Hamburg.
🔗 Payment & Banking

📺 Hörenswert: Fast & Curious (ca. 44 min)

Mit Lea und Verana vom Fast & Curious spreche ich über die Learnings aus dem OMR Talk und die aktuelle Lage in der KI-Industrie.
🔗 Fast & Curious

🖨️ Earnings Season: Quartalsergebnisse der Woche

Montag 8. Juni:
Dienstag 9. Juni: ehang (BMO), GitLab (AMC)
Mittwoch 10. Juni: chewy (BMO), Oracle (AMC), Stitch Fix (AMC)
Donnerstag 11. Juni: Aurora (BMO), Adobe (AMC)
Freitag 12. Juni:

Dieser Newsletter wird auch weiterhin jeden Montagmorgen auf wundersame Weise in Deiner Inbox erscheinen. Einen Faxabruf gibt es leider nicht. Vielleicht solltest Du die Absender-eMail in Deinem eMail-Programm whitelisten oder den Newsletter in Deine Primary Inbox verschieben, um keine Ausgabe zu verpassen.
Danke für Deine Zeit und Aufmerksamkeit! ❤️

📮 Schick mir gern Dein Feedback an [email protected] oder leite diese Mail an Freunde und Kollegen weiter, wenn Du sie nützlich fandest.

Oder nutze diesen Link um ihn in sozialen Netzwerken und mit Freunden zu teilen: https://doppelgaenger.beehiiv.com/subscribe?ref=PLACEHOLDER