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KW21 - Dein Feind, der intelligente Mausspitzel
Doppelgänger Update (BETA)
Von Philipp Klöckner · 18. Mai 2026
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❤️ Danke an alle, die letzte Woche neue Leser:innen auf unseren Newsletter aufmerksam gemacht haben! Die “Share the Newsletter” Funktion findet ihr am Ende der aktuellen Ausgabe. Der heutige Newsletter hat 1.405 Wörter und das vollständige Lesen dauert etwa 5 Minuten. Heute ist Montag, der 18. Mai 2026 und die KW210 startet.
🖱️ Wie der Mauszeiger zum Spielball des Surveillance Capitalism wird

Goodbye „Prompt Engineering“. Die Ära, in der wir KIs mühsam per Texteingabe erklären müssen, was sie tun sollen, könnte bald von gestern sein. Wie ein aktueller Vorstoß von Google DeepMind zeigt, liegt die Zukunft der KI-Interaktion in etwas viel Banalerem: unserem Mauszeiger. Unter dem Konzept des „Pointer Engineering“ arbeitet DeepMind daran, den Cursor für das KI-Zeitalter neu zu erfinden. Das Ziel ist es, die Lücke zwischen dem reinen Textverständnis aktueller Modelle und der praktischen, handfesten Ausführung von Aufgaben auf unseren Bildschirmen zu schließen.
Die Mechanik dahinter ist so simpel wie weitreichend. Anstatt einer KI nur über komplexe Schnittstellen (APIs) beizubringen, wie sie mit Software interagiert, soll das Modell lernen, Betriebssysteme und Websites exakt so zu bedienen wie ein Mensch. Der Mauszeiger wird zum universellen Übersetzer. Indem DeepMind aufzeichnet, wo wir klicken, wie wir scrollen, wann wir zögern und in welcher Reihenfolge wir Fenster bedienen, erfasst die Software nicht mehr nur das finale Ergebnis unserer Arbeit, sondern den kompletten kognitiven und motorischen Weg dorthin.
Genau hier offenbart sich das enorme Überwachungspotenzial dieser Technologie. Wenn ein solches System, etwa tief integriert in den Chrome-Browser, Google Workspace oder Android, flächendeckend ausgerollt wird, mutiert es zur ultimativen Tracking-Maschine für sämtliche digitale Arbeitsabläufe. Jeder Klick im CRM-System, jedes Copy-Paste zwischen Tabellen und E-Mails, jede formatierende Mausbewegung in einer Präsentation wird protokolliert. Es entsteht ein allwissender Beobachter, der uns permanent über die Schulter schaut und das „Wie“ unserer täglichen Arbeit lückenlos digital kartografiert.
Dieses granulare Tracking dient dabei nicht in erster Linie der klassischen Mitarbeiterüberwachung durch den Chef, sondern einem viel größeren, lukrativeren Zweck: der Beschaffung hochwertigster Trainingsdaten für autonome KI-Agenten. Bislang scheitern viele autonome KIs daran, dass sie an unübersichtlichen, nicht-standardisierten Benutzeroberflächen verzweifeln. Wenn Google nun aber Millionen von menschlichen Workflows aus dem Arbeitsalltag als Blaupause absaugt, lernen die Agenten durch reine Imitation. Sie kopieren schlichtweg die Mausbewegungen echter Menschen, um künftig selbstständig Rechnungen zu verbuchen, Recherchen durchzuführen oder Software zu bedienen.
Für Wissensarbeiter ergibt sich daraus eine hochgradig paradoxe Situation. Einerseits verspricht die Technologie gewaltige Effizienzgewinne, da wir mühsame Klick-Routinen bald an unseren eigenen „Agenten-Klon“ delegieren können. Andererseits füttern wir durch unsere tägliche Arbeit an Maus und Tastatur genau die Systeme mit Trainingsdaten, die uns in vielen administrativen Prozessen irgendwann vollständig ersetzen werden. Wir werden gewissermaßen zu unfreiwilligen Vortänzern für unsere digitalen Nachfolger, die jeden unserer Handgriffe aufzeichnen und perfektionieren.
Letztlich zeigt DeepMinds Vorstoß, dass der Kampf um die Vorherrschaft im Milliardenmarkt der KI-Agenten nicht nur in Serverfarmen, sondern direkt auf unseren Bildschirmen entschieden wird. Wer die Bewegungen des Mauszeigers kontrolliert, versteht und simulieren kann, dem gehört die universelle Schnittstelle zur gesamten digitalen Welt. Die nächste Phase der Automatisierung erfordert keine neuen Programmiersprachen mehr. Sie beginnt ganz einfach mit unserem nächsten Klick.
Es waren schon immer die nützlichsten Features, die uns die wertvollsten Daten abluchsen. Google Maps Adressen mit den Namen von Freunden versehen — würden wir ansonsten Doxxing nennen. Unsere eMails von der Spam-Flut befreien — Postgeheimnis? Navigationsdaten offenbaren ein ganzes Persönlichkeitsprofil über Shopping- oder Arztbesuche. Ein bisschen nützlicherer Mauszeiger wird demnächst die Gesamtheit unserer digialen Arbeit für KI erlernbar machen.
Ob man selbst das zulässt oder nicht schützt den eigenen Lohnerwerb nur marginal. Solange genug nützliche Idioten sich aus Bequemlichkeit beim Arbeiten zuschauen lassen, wird dieses trojanische Pferd die Fähigkeiten von KI-Agenten noch einmal massiv erweitern.
🔗 DeepMind | The Decoder
💬 Zahl der Woche
3.700
📰 Das sind die weiteren News der Woche:
🚀 SpaceX IPO-Prospekt schon diese Woche? SpaceX plant laut übereinstimmenden Medienberichten seinen lang erwarteten Börsengang (IPO) an der Technologiebörse Nasdaq und strebt unter dem Ticker 'SPCX' einen frühen Handelsstart am 12. Juni an. Das Raumfahrtunternehmen von Elon Musk hat den Zeitplan nach einer schnellen SEC-Prüfung offenbar beschleunigt, sodass der Börsenprospekt bereits für kommende Woche erwartet wird. Mit einer kolportierten Zielbewertung von 1,8 bis 2 Billionen US-Dollar und einem potenziellen Emissionsvolumen von 75 Milliarden US-Dollar könnte SpaceX den bisherigen Rekord von Saudi Aramco brechen und den größten Börsengang der Geschichte hinlegen.
🔗 Bloomberg
🧾 Musk zahlt mal wieder Rechnung nicht: Elon Musks KI-Startup xAI hat seinen Mitarbeitenden offenbar eine Prämie von 420 US-Dollar versprochen, wenn sie ihre privaten Steuererklärungen als Trainingsdaten für den Chatbot Grok zur Verfügung stellen. Laut übereinstimmenden Berichten warten die Beschäftigten jedoch auch zwei Monate nach der Aktion noch immer auf die zugesagte Zahlung, was intern für wachsenden Unmut sorgt. Die kuriose Verzögerung wirft nicht nur Fragen zur Zuverlässigkeit auf, sondern zeigt auch die teils unkonventionellen Methoden, mit denen xAI im KI-Wettlauf an hochwertige Trainingsdaten kommen will.
🔗 Bloomberg
💵 Video-Modelle: China führt bei Kosten und Trainingsdaten. Chinesische KI-Unternehmen wie ByteDance und Kuaishou haben US-Konkurrenten bei der Video-Generierung überholt, da sie ihre Modelle mit den riesigen, exklusiven Datenmengen ihrer eigenen Kurzvideo-Plattformen trainieren können. Während Modelle wie Kling oder Seedance 2.0 bei Kreativen und Agenturen durch hohe Qualität, bessere Prompt-Umsetzung und weniger strenge Content-Filter punkten, tun sich US-Anbieter aufgrund hoher Rechenkosten und rigider Sicherheitsvorgaben schwer. Damit dominieren die chinesischen Tools zunehmend den rasant wachsenden Markt für KI-generierte Werbung und Entertainment-Inhalte..
🔗 Financial Times
🪰 Weitere News gibt es in der letzten Folge des Doppelgänger Podcast…
🔗 Doppelgänger Podcast
📶 Chart der Woche: Handy statt Mandy?

Von der Problematik von Korrelation und Kausation mal abgesehen, zeigen aktuelle Studien, die unter anderem die FT zusammengetragen hat, ein desaströses Bild. Zumindest aus Timing-Perspektive könnte das Aufkommen von Smartphone, Social Media und Co. einen enorm hemmenden Effekt auf die Fortpflanzung der Nutzer haben. Ob es am Mangel an sozialer Interaktion, am Gefühl der Unwürdigkeit, die Social Media weckt, oder an schierer Verzeiflung liegt, muss jeder selbst entscheiden. Fakt ist: Seit wir in die Handies starren, vernachlässigen wir die eigene Fortpflanzung geradezu sträflich. Und das übrigens nicht nur in westlichen Gesellschaften.
🔗 The Financial Times
📺 Sehenswert: Eric Schmidt ausgebuht für KI-Vision (circa 5 min)

Eric Schmidt war früher CEO und Chairman von Goole. Heute ist er einer der größten KI-Enthusiasten. Wie Schmidts Rede von Studenten der University of Arizona in Tucson aufgenommen wird, kann man als ein Zeichen dafür annehmen, wie KI inzwischen die Gesellschaft spaltet. Gleichzeitig beweist es auch, wie abgehoben und entkoppelt die Tech-Eliten leben, wenn sie nicht verstehen, dass es unpopulär ist Studenten zu erklären, dass KI ihre zukünftigen Jobs kosten könnte, aber es gleichzeitig als ganz wundervolle Chance zu verkaufen.
🔗 The Verge | NBC | Alex Kantrovitz
📺 Sehenswert: Beyond the AI Hype 2026 (circa 56 min)
Wer meine Keynote auf der OMR verpasst hat, vor verschlossenen Türen stand, oder sich die 148 Folien noch einmal in Ruhe zu Gemüte führen möchte, findet diese dank der unermüdlichen Arbeit der OMR Crew schon auf YouTube.
🔗 YouTube | Slides
🖨️ Earnings Season: Quartalsergebnisse der Woche
Montag 18. Mai: Baidu (BMO), hims | hers (AMC), plug Power (AMC)
Dienstag 19. Mai: —
Mittwoch 20. Mai: NVIDIA (AMC), Intuit (AMC)
Donnerstag 21. Mai: nio (BMO), Walmart (BMO), Zoom (AMC), workday (AMC), Snowflake (AMC)
Freitag 22. Mai: —
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