KW17 - 👻 Es geht ein Gespenst um in Amerika

Doppelgänger Update (BETA)

Von Philipp Klöckner · 20. April 2026


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❤️ Danke an alle, die letzte Woche neue Leser:innen auf unseren Newsletter aufmerksam gemacht haben! Die “Share the Newsletter” Funktion findet ihr am Ende der aktuellen Ausgabe. Der heutige Newsletter hat 1.755 Wörter und das vollständige Lesen dauert etwa 5 Minuten. Heute ist Montag, der 20. April 2026 und die KW17 startet.

👻 Es geht ein Gespenst um in Amerika

Haben Amerikaner den Kapitalismus satt? In Umfragen geben fast zwei Drittel der jungen US-Bürger an, eine positive Einstellung zum Sozialismus zu haben. Zustimmungswerte für den Kapitalismus sinken. Auch in den Medien kann man seit Jahren eine zunehmende Sozialismus-Debatte wahrnehmen. Herkömmliche Medien, aber auch Podcasts aus allen politischen Lagern sehen ein Aufkeimen des Sozialismus in den USA voraus.

Stellten Abgeordnete wie Elisabeth Warren oder Bernie Sanders in der Vergangenheit eher populäre Außenseiter dar, gibt spätestens die Wahl des sozialistischen New Yorker Bürgermeisters Mamdani der Debatte neues Futter.

Überraschend ist an der Sehnsucht nach einer sozialeren Form des Zusammenlebens nur, dass sie erst jetzt an Fahrt gewinnt. Seit Jahrzehnten klaffen die Kaufkraft der Haushalte und die Kosten für einen College-Abschluss, Hauskauf oder das eigene Auto inklusive Führerschein immer weiter auseinander.

Gleichzeitig hören Bürger im Fernsehen Nachrichten von steigendem Wachstums, Unternehmensgewinnen und Staatsschulden. Während die Arbeitseinkommen am Wachstum kaum teilnehmen, ahnt die arbeitende Bevölkerung, dass sie an der Refinanzierung der Schulden doch beteiligt wird.

US Lohnquote — Welcher Teil der Gesamtkosten wird als Lohn ausgezahlt | Quelle: FRED

Einkommenssteuern sind für die Loser der US-Gesellschaft. Individual Income Taxes und Social Security and Medicare Taxes machen für die Arbeiter bis zu 50% (Kalifornien 37+13%) ihres Bruttoeinkommens aus und tragen 85% des Gesamtsteueraufkommens auf Federal Level. Corporate Income Taxes erwirtschaften nur 5% des Aufkommens.

Quelle: Treasury US

Noch weniger Steuern zahlen die reichsten 0.1% der Amerikaner. Weil sie es unter allen Umständen vermeiden, echtes “Einkommen” zu generieren wird die Wohlstandszunahme von Hundertfachen Milliardären wie Warren Buffett, Jeff Bezos oder Elon Musk gerade einmal homöopathisch besteuert.

Regel Nummer Eins: Um jeden Preis besteuerbares Einkommen minimieren. Die Gründer der großen US-Tech-Unternehmen sind bekannt dafür, sich nur ein Bruchteil des Gehaltes deutscher DAX-Vorstände als Gehalt auszuzahlen. Denn Gehalt beziehen, hieße Steuern zahlen.

Wenn überhaupt, bezieht man Aktienoptionen, um sich Anteile am Kapital zu sichern. Dieses würde erst bei Veräußerung besteuert werden und dann mit dem deutlich niedrigeren Satz (20%) für Capital Gains, also Veräußerungsgewinne. Natürlich gilt es auch diese Steuern zu vermeiden. Vor allem indem man wenn möglich keine Anteile veräußert.

Aber wovon Yachten und Penthouses bezahlen? Ganz einfach: Indem man sich Geld borgt, obwohl man superreich ist. Die Hausbank wird den Milliardären stets beste Zinsen bieten, solange die ihre Firmenanteile als Sicherheit verpfänden. So leben die reichsten Menschen der Welt von geborgtem Geld — und zahlen keine Steuern, mangels Einkommen.

Mit dieser Steuerlücke lebt man in den USA. Spätestens wenn die Reichen ins Gras beißen, würde ja die Erbschaftssteuer das Unrecht tilgen. Bis zu 40% kann diese “Estate Tax” in den USA betragen. Zahlen tut die aber kaum jemand. Ähnlich wie in Deutschland gibt es zahlreiche Ausnahmen, die findigen Steuergestaltern das quasi unbesteuerte Vererben ermöglichen. Auch analog zu Deutschland: Interessanterweise gibt es kaum Organisationen, die gegen eine Erbschaftssteuer lobbyieren. Weil nur die “Dummen” sie zahlen, konzentriert sich Lobbytätigkeit auf den Erhalt der Ausnahmen und Verschonungsregeln.

US Erbschaftsteueraufkommen, würde OHNE die jüngsten Ausnahmen deutlich höher ausfallen | Quelle: Penn Wharton

Denn in der Sache ist eine Erbschaftsteuer, die Reiche nicht zahlen, eine super Möglichkeit zur Umverteilung. Nach oben. Der Gipfel der Ungerechtigkeit im US Estate Tax System ist ein “Step-up in Basis” genanntes Prinzip, dass im Erbfall nicht nur dafür sorgt, dass keine Steuern fällig werden, sondern den aktuellen Wert des Vermögens auch noch als neuen Einstandswert für den Erben definiert. Der gesamte vorherige Anstieg des Reichtums wird also auf Null gesetzt und ist damit für immer von der Besteuerung ausgeschlossen. Keine Einkommenssteuern, keine Capital Gains, keine Erbschaftssteuern.

Der letzte Dorn im Auge von superreichen Aktionären sind Dividenden. Zwar werden auch diese nur mit 20% taxiert, aber auch das scheint noch zu viel. Mit einer Gesetzesänderung (Rule 10b-18) der SEC im Jahr 1982 wurde es Unternehmen einfacher, ermöglicht ihre eigenen Aktien zu kaufen. Statt Anteilseignern steuerpflichtig Dividenden auszuzahlen, konnten Unternehmen nun ihr Geld nutzen, um die Nachfrage nach eigenen Aktien zu stärken und ihre Aktionäre durch mehr Reichtum auf dem Papier belohnen. Seitdem investieren Unternehmen deutlich mehr Geld in Stock Buybacks als in Dividenden.

KI als Beschleuniger

Künstliche Intelligenz wird die Lage nur verschärfen. Wenn KI und Roboter, die keine Payroll Taxes zahlen, für Unternehmer arbeiten, die kaum Income Taxes zahlen, werden die verbliebenen Arbeiter noch stärker Staat und Schulden finanzieren müssen. Gerade junge Generationen müssen zudem die Gesundheitsversorgung und Pflege von immer mehr Boomern erwirtschaften.

Universal Basic Income?

Immer öfter hört man auch im Silicon Valley nun Befürworter für ein bedingungsloses Grundeinkommen. Von Jeff Bezos über Mark Zuckerberg, Sam Altman und Elon Musk. Die reichsten Broligarchen hegen offenbar alle eine Sympathie für die Alimentierung der Bevölkerung. Paradox erscheint das aber nur auf den ersten Blick. Denn auch hier gilt: Eine Konjunkturspritze, die aus Staatsmitteln bezahlt wird ist ein Segen für jene, die zwar nicht zur Finanzierung (Steuern) beitragen, aber von der zusätzlichen Nachfrage massiv profitieren würden. Insofern ist der Ruf nach der Almosen-Gesellschaft an Zynismus kaum zu übertreffen.

Die Wiege des Kommunismus war die letzte industrielle Revolution. Vor der Tür steht eine neue. Nirgendwo hängt mehr vom Bruttosozialprodukt von genau jenen Dienstleistungsjobs, die KI angreift, ab, als in den USA. Nirgendwo ist die inländische Nachfrage so bedeutend. Wenn die USA nicht wieder zu einem Kapitalismus zurückkehren, der zumindest für den durchschnittlichen Haushalt funktioniert, bekommen sie den Sozialismus, den sie verdienen.

Eins der besten Maße für Ungleichheit ist die Lücke zwischen Median Einkommen und dem Durchschnittseinkommen, welches auch die obersten Ausreißer einbezieht

💬 Zitat der Woche

The avoidance of taxes is the only intellectual pursuit that still carries any reward.”

John Maynard Keynes - Britischer Ökonom

📰 Das sind die weiteren News der Woche: 

📋 Karps tollkühne Thesen: Palantir hat auf X ein 22-Punkte-Manifest veröffentlicht – eine Zusammenfassung von CEO Alex Karps Buch „The Technological Republic" – und damit mal eben öffentlich erklärt, dass Inklusion und Pluralismus eigentlich ziemlich überbewertet seien. Das Unternehmen argumentiert, manche Kulturen hätten „Wunder hervorgebracht", während andere „mittelmäßig, ja sogar regressiv und schädlich" geblieben seien. Daneben fordert Palantir den Aufbau von KI-Waffensystemen und erklärt, „unsere Gegner werden nicht pausieren, um sich in theatralischen Debatten zu ergehen". Wohlgemerkt von einem Unternehmen, das gerade wegen seiner Zusammenarbeit mit der US-Einwanderungsbehörde ICE unter Druck steht. Bellingcat-Gründer Eliot Higgins brachte es auf den Punkt: „Diese 22 Punkte sind keine Philosophie im luftleeren Raum, sondern die öffentliche Ideologie eines Unternehmens, dessen Umsatz von der Politik abhängt, für die es sich einsetzt."
🔗 engadged | TechCrunch

📢 Google baut “Strike Team” für Coding: In seinem KI-Labor DeepMind hat Google ein Team damit beauftragt, den Rückstand in der Automation von Programmierung einzuholen. Vermutlich weil man besorgt ist, bei Anthropic könnte schon bald KI einen Großteil der Software schreiben. Das würde Google nicht nur wichtige B2B-Umsätze kosten, sondern über kurz oder lang auch das Rennen um die beste KI entscheiden.
🔗 The Information

🏛️ Das Pentagon nutzt verbotenes Anthropic-Modell: Die Geschichte ist ein kleines Meisterwerk staatlicher Schizophrenie: Der US-Geheimdienst NSA nutzt Anthropics mächtigstes Modell Mythos Preview – obwohl das übergeordnete Pentagon das Unternehmen offiziell als „Supply-Chain-Risiko" eingestuft hat. Der Streit begann im Februar, als Anthropic-CEO Dario Amodei sich weigerte, seine Modelle für autonome Tötungswaffen und Massenüberwachung freizugeben; woraufhin “Kriegsminister” Pete Hegseth Anthropic auf die schwarze Liste setzte. Die NSA verwendet Mythos offenbar vor allem, um eigene Systeme nach ausnutzbaren Sicherheitslücken zu durchsuchen – während das Militär gleichzeitig vor Gericht argumentiert, genau diese Tools seien eine Bedrohung für die nationale Sicherheit..
🔗 Axios

🪰 Weitere News gibt es in der letzten Folge des Doppelgänger Podcast…
🔗 Doppelgänger Podcast

📶 Chart der Woche: Fluch und Segen für Claude

Mit Erfolg bestraft werden nenne ich es, wenn Startups in Probleme rutschen, die andere gern haben würden. So in etwa geht es gerade den Verantwortlichen beim KI-Anbieter Anthropic. Dessen Claude-Familie ist so beliebt, dass die Server regelmäßig überlastet sind oder den Dienst quittieren. (Normal sind Uptimes von 99.99%)

Netter Nebeneffekt: Weil Anthropic sich aus Kostenbewusstsein nicht ausreichend Data Center Ressourcen gesichert hat, leidet jetzt zwar der Service. Vermutlich macht man aber auch deutlich mehr Rendite als antizipiert. Restriktionen ermöglichen erst ökonomisches Handels und so kann man höhere Preise durchsetzen und pro generierten Token abrechnen. Die Mehreinnahmen in Verbindung mit den relativ fixen Kosten sollten der Rohmarge bei Anthropic sehr zuträglich sein. Mittelfristig muss das Unternehmen aber schauen, wo es neue Rechenzeit Kapazitäten findet.

Insgesamt limitieren gerade alle Anbieter ihre Pakete und bemühen sich, sparsamer mit Ressourcen umzugehen. Die Token-Bazooka für 20 US-Dollar im Monat hat ein Ende und der KI-Markt nähert sich der Output-basierten Monetarisierung.

📺 Sehenswert: Patrick Boyle - Prediction Markets (circa 31 min)

Patrick Boyle ist einer meiner Lieblings-YouTuber. Nicht nur weil ich seinen Financial Background schätze, sondern auch weil er stets mit einer skeptischen Brille auf aktuelle Entwicklungen schaut und dabei mit weniger Ideologie und mehr Sachkenntnis als z.B. ein Jan Böhmermann Frauds, Scams und fragwürdige Charaktere enttarnt. In der aktuellen Folge hat er sich das Thema Prediction Markets vorgenommen. Polymarket, der Marktführer plant indes gerade eine Finanzierungsrunde auf 15 Milliarden US-Dollar Bewertung.
🔗 YouTube

📺 Sehenswert: Panorama - Erbschaftssteuer (circa 28 min)

Erbschaftssteuer: Gefahr für Familienunternehmen? Firmen können in Deutschland oft steuerfrei vererbt werden. Möglich machen dies zahlreiche Ausnahmen im Erbschaftssteuerrecht. Selbst manche Unternehmer halten das für ungerecht. Andere warnen vor Gefahren für den Standort, würden die Ausnahmen abgeschafft. NDR Panorama widmet sich diesem Thema und findet erwartungsgemäß selbst bei Befürwortern der Verschonungsregeln wenig gute Argumente. Wer genau hinschaut, sieht jemanden aus der Empfehlung von letzter Woche wieder.
🔗 Mediathek | NDR

🖨️ Earnings Season: Quartalsergebnisse der Woche

Montag 20. April:
Dienstag 21. März: Interactive Brokers (AMC)
Mittwoch 22. April: GE Vernova (BMO), Tesla (AMC), servicenow (AMC), IBM (AMC)
Donnerstag 23. April: intel (AMC)
Freitag 24. April:

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