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KW16 - Anthropics KI-Giftschrank
Doppelgänger Update (BETA)
Von Philipp Klöckner · 13. April 2026
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❤️ Danke an alle, die letzte Woche neue Leser:innen auf unseren Newsletter aufmerksam gemacht haben! Die “Share the Newsletter” Funktion findet ihr am Ende der aktuellen Ausgabe. Der heutige Newsletter hat 1.577 Wörter und das vollständige Lesen dauert etwa 5 Minuten. Heute ist Montag, der 13. April 2026 und die KW16 startet.
📖 Mythos: Dichtung oder Legende?

Mythos — so der neue Arbeitstitel des jüngsten KI-Modells aus dem Hause Anthropic. Die Spitze der KI-Schöpfung soll gar so mächtig sein, dass nur ausgewählte Parteien und Institutionen Zugang auf eine Vorabversion des Modells erhalten. Zu groß das Risiko, dass Mythos genutzt werden könnte, um Schwachstellen in bestehender Software zu finden. So behauptet es CEO Dario Amodei und erfindet damit den KI-Giftschrank.
Die Bedeutung des Wortes Mythos ist ambivalent. So könnte es sich um eine legendäre Überlieferung an spätere Generationen handeln oder auch nur die Dichtung eines neuen Narratives. Kritiker werfen Anthropics Gründer vor, wiederholt Schreckensszenarien zur Bewerbung der Fähigkeiten seiner Schöpfungen herbeigezogen zu haben. Manche Sicherheitslücken erkenne das Modell erst, wenn man ihm die erlegte Beute, also potentiell verletzliche Software, quasi direkt vor die Nase legt. Ob das Modell wirklich hunderte und tausende neuer Lücken fände, bleibt vorerst sein Geheimnis.
Sollte das eine Verschwörung sein, so hat sie viele Anhänger. Frenemies wie Google, Amazon oder Microsoft, Cyber-Security-Unternehmen wie CrowdStrike und Palo Alto Networks, sogar Banken und Kabinettsmitglieder steigen in den Kanon ein. So will Anthropic mit anderen Unternehmen, die kritische Infrastruktur verwalten, eine Allianz namens “Glasswing” gründen, um kritische Software rechtzeitig zu befestigen. Man könnte auch sagen, dass Anthropic lediglich seine Mission von sicherer KI verfolgt.
Selbst wenn Mythos eine Luftnummer wäre, sollten wir gewarnt sein. Denn spätestens eins der nächsten Modelle wird die versprochenen Fähigkeiten erwerben. Mit Laser-Fokus verfolgt Anthropic die Strategie, sein Modell auf die Erstellung von Software zu spezialisieren. Das sichert nicht nur den einträglichen und skalierbaren B2B-Schnittstellen-Markt. Es ist auch der direkte Weg zur halb- und später vollautomatischen Verbesserung der eigenen Software und Modelle qua künstlicher Intelligenz.
Sich auf dem Weg dahin mit Chatbots, Bild- oder Video-Modellen abzugeben, stellt eine irrationale Defokussierung dar, sofern man glaubt, dass man eine Software erfinden kann, die später quasi selbstständig Code erzeugen kann.
Dass das Mythos zum Hacker wurde, war vermutlich ein Kuppelprodukt. Um den eigenen Code sicher zu machen, Penetration zu verhindern und verantwortlich KI zu entwickeln, musste Anthropic seinem Zögling vermutlich auch antrainieren, eigene Sicherheitslücken zu finden und zu schließen. Fast zwangsläufig erwächst daraus auch die Fähigkeit, diese Schwachstellen in den Werken Dritter Parteien zu identifizieren.
Die Karenzzeit für andere Softwareanbieter ist nicht nur ein Akt der Gnade, sondern natürlich auch exquisite PR. Nur Sekunden später erwacht bei mir der Gedanke, wann Anthropic beginnen könnte, das Preview in sein KI-Hacker-Genie nur noch für Geld anzubieten. Nicht ewig wird man bereit sein, den eigenen Fortschritt 100 Tage zu verzögern.
Und würden OpenAI oder die Chinesen das auch tun? Was wäre eigentlich, wenn es eine chinesische Firma wäre, die diesen Durchbruch errungen hätte? Oder OpenAI oder xAI? Könnten wir uns auf die Integrität von Sam Altman, die gerade vom New Yorker Magazine unterminiert wird, oder die von Elon Musk, der das quasi hauptberuflich selbst tut, verlassen? Sollten wir Dario Amodei trauen?
Für Anthropic spricht das Rückgrat, welches die Firma trotz massiver Repressionen gegenüber dem sogenannten U.S.-Kriegsministerium bewiesen hat. Anthropic wollte nicht verantwortlich sein, wenn eines seiner Modelle eventuell tödliche Entscheidungen trifft — sicher auch, weil es der moralische Bankrott der Firma und ein PR-Debakel wäre. Widerstand leistete man aber auch gegen die Massenüberwachung von U.S.-Bürgern.
Nehmen wir mal an, dass eine Vielzahl von Geräten und Anwendungen plötzlich verwundbar wären. Der WLAN-Router, die Türklingel, das Babyphone, ein älteres Android-Smartphone oder Kinderspielzeug wären vermeintlich einfache Ziele. Zudem ermöglicht KI die massenhafte Interpretation von Überwachungsdaten. Zwar konnten Gespräche auch in der Vergangenheit abgehört werden, die Möglichkeit der gezielten Auswertung war aber durch personelle Kapazität begrenzt. Claude oder Grok haben immer Zeit. Sie könnten Milliarden von Datenpunkten überwachen, ausspähen und interpretieren.
Wenn uns die jüngste Vergangenheit eines gelehrt hat, dann dass die aktuelle U.S.-Regierung bereit ist, jeden Vorteil zu nutzen und jede Macht auszuüben, die ihr gegeben ist. Anthropic Verweigerung bezweckte den Schutz der verfassungsmäßigen Rechte von U.S.-Bürgern — nicht das Verhindern der Spionage an Dritten. Es ist nur eine Frage der Zeit bis wir befürchten müssen entweder von den USA oder China systematisch ausgehorcht zu werden.
Für diesen Weckruf sollten wir dankbar sein. Ganz gleich, ob Anthropics neues Modell noch ein Marketing-Stunt oder eine echte Erleuchtung ist.
🔗 Bloomberg | DIE ZEIT
💬 Zitat der Woche
“…we should de-escalate the rhetoric and tactics.”
📰 Das sind die weiteren News der Woche:
✨ Meta endlich mit neuem Modell: Meta bringt mit Muse Spark sein erstes neues KI-Modell nach der großen Shoppingtour für Talent und Rechenleistung und positioniert es klar als Aufholjagd gegen OpenAI und Google. Der Fokus liegt weniger auf State-of-the-Art und mehr auf Distribution: tief integriert in Instagram, Facebook und Threads, mit personalisierten, visuellen Antworten und Commerce-Usecases. Das Modell ist bewusst kleiner und closed, ein Bruch mit der Llama-Open-Source-Strategie, und dient eher als Produktlayer als als Forschungsdurchbruch. Gleichzeitig versucht Mark Zuckerberg die massive AI-Invest-Story zu rechtfertigen, nachdem Llama 4 enttäuscht hat und intern umgebaut wurde.
🔗 Financial Times
🤝 Fusion zwischen Cohere und Aleph Alpha: Aleph Alpha und das kanadische KI-Labor Cohere verhandeln über eine Fusion, um ein transatlantisches Gegengewicht zu den US-Giganten zu bilden. Die Bundesregierung treibt den Deal aktiv voran und stellt dem neuen KI-Champion lukrative Aufträge in der Verwaltung sowie eine staatliche Beteiligung in Aussicht. Während Cohere die Rechenpower liefert, bringt Aleph Alpha die nötige europäische Compliance ein, auch wenn das ungleiche Bewertungsverhältnis die Heidelberger eher zum Juniorpartner macht. Im Kern geht es um den verzweifelten Versuch, technologische Souveränität durch eine Allianz der "Best of the Rest" zu retten.
🔗 Handelsblatt | Reuters
🏛️ OpenAI will per Gesetz Haftung begrenzen: OpenAI setzt sich in den USA für ein neues Gesetz ein, das die Haftung der Entwickler bei Katastrophen durch KI-Modelle wie Waffensysteme oder Manipulation drastisch einschränken soll. Sam Altman argumentiert dabei für klare Richtlinien, die Innovation schützen sollen, während Kritiker eine gefährliche Abwälzung der Verantwortung auf die Endnutzer befürchten. Im Kern geht es um die Frage, ob die Schöpfer der Technologie für deren unvorhersehbare Folgen geradezustehen haben oder ob die Branche einen gesetzlichen Schutzschild erhält.
🔗 t3n | Wired
🪰 Weitere News gibt es in der letzten Folge des Doppelgänger Podcast…
🔗 Doppelgänger Podcast
📶 Chart der Woche: Das dicke Ende kommt noch

Was dieser Graph für Konsumenten bedeutet, werden wir erst in den nächsten Tagen und Wochen merken. Für deutsche Verbraucher bedeutet die Blockade schon jetzt steigende Preise an der Tankstelle und höhere Heizkosten. Beim Gas ist die Lage besonders brisant: Katar exportiert rund 82 Millionen Tonnen LNG pro Jahr – alles über die Straße von Hormus. Seit Ende Februar sind diese Exporte faktisch gestoppt. Die deutschen Gasspeicher lagen Anfang April bei einem Füllstand von nur noch etwa 22,5 Prozent. Das ist noch einmal rund zehn Prozent niedriger als im Vorjahr, was den kommenden Winter zur echten Belastungsprobe machen könnte. Experten warnen zudem vor einem drohenden Kerosin-Engpass, der Flüge verteuern und Lieferketten weiter stören könnte.
Aber nicht nur Kraftstoffe sind betroffen: Wenn Energie teurer wird, steigen automatisch auch Kosten für Strom, Heizung, Industrieproduktion und Transport; und genau daraus entsteht ein Domino-Effekt, der am Ende auch Lebensmittel und Alltagskosten verteuert. Die Transportkosten für Lkw im deutschen Binnenmarkt sind bereits um über zehn Prozent gestiegen. Ein Kostenblock, der direkt beim Verbraucher landen wird.
🔗 International Maritime Organization (IMO)
📺 Sehenswert: Damit die Guten gewinnen mit Idealo-Gründer Albrecht von Sonntag (circa 69 min)

Albrecht von Sonntag war einer meiner ersten richtigen “Chefs”. Von ihm habe ich nicht nur viel gelernt in meinem ersten Job bei Idealo — sondern wenn ich sowas wie einen “Mentor” hätte, dann käme Albrecht sicher am nächsten an diese Rolle heran.
Als Idealo-Gründer arbeitete der ehemalige Gesellschaftsrechtler zumeist im Hintergrund. Oft sah ich in ihm die gute Seele und das moralische Gewissen der Firma. Erst seit er seine Zeit noch mehr dem Kampf gegen zwei der größten Bedrohungen für unser Zusammenleben widmet, kann man Albrecht ab und an auch öffentlich sprechen hören. So geht es auch in dem Podcast der Agentur ASK viel um Klimawandel, Biodiversität und die Bedrohung durch BigTech und Künstliche Intelligenz. Albrecht zuzuhören hilft sicher auch, einige meiner Hypothesen und Haltungen im Podcast besser zu verstehen.
🔗 Spotify | Apple Podcasts | YouTube | idealo.de
🖨️ Earnings Season: Quartalsergebnisse der Woche
Montag 13. April: Goldman Sachs (BMO)
Dienstag 14. März: JPMorgan (BMO), BlackRock (BMO), Citi (BMO)
Mittwoch 15. April: ASML (BMO), Morgen Stanley (BMO)
Donnerstag 16. April: TSMC (BMO), Charles Schwab (BMO), Netflix (AMC)
Freitag 17. April: —
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