KW13 - Vom ETF-Sparer zum Venture-Kapitalisten in 15 Tagen

Doppelgänger Update (BETA)

Von Philipp Klöckner · 23. März 2026


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❤️ Danke an alle, die letzte Woche neue Leser:innen auf unseren Newsletter aufmerksam gemacht haben! Die “Share the Newsletter” Funktion findet ihr am Ende der aktuellen Ausgabe. Der heutige Newsletter hat 1.511 Wörter und das vollständige Lesen dauert etwa 5 Minuten. Heute ist Montag, der 23. März 2026 und die KW13 startet.

👜 Vom ETF-Sparer zum Venture-Kapitalisten in 15 Tagen

1.750.000.000.000 US-Dollar - so viel soll Elon Musks SpaceX bei einem möglichen IPO im Sommer wert sein. Mindestens 250 Milliarden der Billionenbewertung entstanden aus der Überbewertung seiner KI-Klitsche xAI, welche im Quartal nur um die 100 Millionen US-Dollar Umsatz generiert. Für erfolgreiche Frontierlabs wie OpenAI oder Anthropic ein Tagesumsatz.

Der andere Teil der Firma, das Weltraumlogistikbusiness SpaceX, wäre in etwa mit dem 100-fachen des Umsatzes bewertet. IPO-Investoren dürfen selbst entscheiden, ob sie glauben, dass Starlink gegen die Konkurrenz von Amazons Leo und dem Glasfaserausbau diese Billionenbewertung rechtfertigt. Oder ob man an Musks Vision von Data Centern im All glaubt.

Die Raumstation ISS und ihre Energieversorgung im Orbit zu installieren war mit 150 Milliarden US-Dollar das teuerste Projekt der Menschheitsgeschichte. Natürlich kann Musk mit seinen Recycling-Boostern das heute deutlich günstiger. Wirtschaftlich sinnvoll werden Rechenzentren im All aber nur unter der Annahme, dass es auf der Erde quasi weder Energie noch Baugenehmigungen für Data Center gäbe.

Solche Gedanken müssen sich ETF-Sparer in Zukunft aber gar nicht machen. Denn dank der Verhandlungsmacht von Oligarchen wie Musk sollen breit diversifizierte Anleger bald ganz automatisch zu Teilhabern in Musks ambitionierten Visionen und Bierdeckel-Bewertungen werden.

Dank Musks Marsmännchen-Mathematik und der daraus resultierenden Bewertung würde der Billionen-Behemoth SpaceX als sechstgrößte börsengelistete US-Firma theoretisch mit 3-5% Gewicht in Indizes wie NASDAQ 100 und S&P 500 einziehen. ETF-Produkte, welche den US-Markt oder Technologie-Unternehmen abbilden, hätten keine Wahl, außer sich massiv in Musks Unternehmen einzukaufen. Selbst breiter gestreute Indizes wie MSCI World oder FTSE All World müssten nachziehen.

Weil das riskant klingt, haben die Index-Konstrukteure des S&P, Nasdaq und Russell strikte Hygieneregeln in Bezug auf Profitabilität, Liquidität und weitere Kriterien auferlegt. Zudem sind Aufwärmphasen vorgesehen, die der Preisfindung der Märkte dienen. 12 Monate lang sollen sich Firmen der Abwägung der Börsianer aussetzen, bevor sie in den S&P 500 gelangen. Immerhin 90 Tage für den NASDAQ 100.

Diese Regeln sollen verhindern, dass Index-abbildende Fonds sich schon in der volatilen Anfangsphase eines Börsengangs einkaufen müssen und Preise damit weiter in die Höhe treiben. Die risikooptimierte ETFs sollen dem Konzept nach Preisnehmer sein, die auf die Intelligenz der Märkte vertrauen und keine eigene Meinung oder Position abbilden.

Nun sollen diese Grundsätze aber aufgeweicht werden. Dank dem Vorschlag einer neuen “Fast Entry”-Rule, sollen Anbieter verpflichtet sein, ihr Index-Versprechen nach maximal 15 Tagen umzusetzen. Wenig Zeit, um in volatilen Märkten den fairen Preis eines bereits mit Narrativen aufgeblasenen Unternehmen zu finden. Zumal zu erwarten ist, dass SpaceX-CEO Elon Musk - wie zuvor - die Grenzen der Börsenaufsicht austesten und übertreten wird, um den eigenen IPO zu befeuern.

Erschwerend kommt hinzu, dass nur ein Bruchteil der Anteile von neuen IPOs handelbar wäre. Die massive Zwangsnachfrage der ETFs würde also auf Alt-Investoren, die dank Lock-Up nicht verkaufen dürfen und frisch getaufte Retailanleger treffen, die Kurse eher in die Höhe treiben, als ihre neuen IPO-Trophäen abzugeben. Deswegen erfordert ein S&P500-Listing normalerweise einen Free Float von 50% der Anteile. Die 50 Milliarden die SpaceX im IPO besorgen möchte wären nicht einmal 3%.

Auch OpenAI und Anthropic würden bei ihren schon bald folgenden IPOs vom Fast Track in die Indizes profitieren. Zusammen würden die Neulinge bis zu 10% der großen Indizes ausmachen und selbst konservative ETF-Sparer dürfen sich bald zumindest teilweise Wagniskapitalisten nennen, die auf dem Dutzendfachen des Umsatzes in die größten Geldkrematorien der Wirtschaftsgeschichte investieren.

Aber die KI-Labore haben die private Markets leergesaugt. Und so zapft man nun die Börsen und ETF-Sparer an, ohne sich so richtig dem Urteil der Märkte zu stellen. Sofern nicht die Berichtspflichten gelockert werden, wie von Trump vorgeschlagen, werden wir damit immerhin besseren Einblick in die Geschäftszahlen der neuen Billionen-Bande bekommen.
🔗 Bloomberg | Reuters

💬 Zitat der Woche

Der Krieg ernährt den Krieg.”

Schillers “Wallenstein” - In dem Theaterstück beschreibt die Aussage, wie Söldnerarmeen ihren Sold durch Plünderungen finanzieren. Auf das KI-Wettrüsten bezogen, könnte man sagen, dass das Wettrennen um die führenden Modelle bis heute weiterhin der Haupt-Umsatztreiber der KI-Ökonomie ist.

📰 Das sind die weiteren News der Woche: 

🚀 OpenAI möchte sich verdoppeln: Auf öffentliche Podien und in Interviews erzählen uns die Frontier-Labs CEOs Altman and Amodei regelmäßig von den Verwerfungen im Job-Markt, die man erwarten würde. ChatGPT-Macher OpenAI plant vorerst aber vor allem 4.000 neue Spitzenverdiener-Jobs für Probezeit-Millionäre zu schaffen. Altman, der Anthropics Atem im Nacken spürt will sich nicht nur auf den wichtigen B2B-Markt fokussieren, sondern plant nun auch bis Ende des Jahres sein Söldnerheer zu verdoppeln.
🔗 Reuters

⚖️ Jury verurteilt Musk wegen Marktmanipulation: Eine Geschworenenjury hat Elon Musk schuldig gesprochen, Investoren während seines Versuchs, die Übernahme von Twitter (heute X) im Jahr 2022 abzubrechen, durch irreführende Aussagen manipuliert zu haben. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Musks öffentliche Kritik an der Plattform und den Nutzerzahlen gezielt dazu diente, den Aktienkurs zu drücken und seine Verhandlungsposition zu verbessern. Infolgedessen wurde Musk zu Schadensersatzzahlungen in Milliardenhöhe verurteilt, was als historisches Urteil gegen die Marktmanipulation durch einflussreiche Einzelpersonen gewertet wird.
🔗 TechCrunch

🤖 Zuck baut CEO-Agent: Ihm wird regelmäßig zugeschrieben roboterhaft und emotionslos zu interagieren; nun will Meta-Boss Mark Zuckerberg seinen eigenen CEO-Agenten bauen. Als Teil einer Initiative, um Meta zu einer “AI-native Company” zu machen, wird auch der Chef sich von einem Agenten unterstützen lassen. Hoffen wir einfach mal, dass der Zuckbot Alarm schlägt, wenn man sich bei Meta das nächste Mal dazu entscheidet, die Gesundheit, Sicherheit und Integrität von Menschen gegen 3 Mark fünfzig einzutauschen.
🔗 Wall Street Journal

📱 Amazon arbeitet Berichten zufolge an einem neuen Smartphone, bei dem die Sprach-KI Alexa und generative künstliche Intelligenz tief im Betriebssystem verankert sind. Mehr als ein Jahrzehnt nach dem Misserfolg des „Fire Phone“ unternimmt der Konzern damit einen neuen Anlauf im Hardware-Markt, um die Abhängigkeit von Apples und Googles App-Stores zu verringern. Das Gerät soll laut Insidern darauf optimiert sein, Einkäufe und alltägliche Aufgaben fast ausschließlich per Sprachbefehl und KI-Assistenz zu erledigen, statt auf klassische Apps zu setzen.
🔗 Engadget | Reuters

🥸 Cursors Inhouse-Modell hat chinesische Wurzeln. Am 19. März stellte das KI-Coding-Startup Cursor, welches gerade mit 50 Milliarden US-Dollar bewertet sein möchte, sein “eigenes Frontiermodell” Composer 2 vor. Die vermeintliche Eigenentwicklung nähert sich der Leistung führender State-of-the-Art-Modelle bei deutlich niedrigeren Kosten an. Nun hat ein Twitter-Nutzer die geheime Zutat des Effizienzwunders entschlüsselt. Hinter Cursors Code steht das Open Weights Modell Kimi K2.5 der chinesischen Firma Moonshot AI. Damit ist Cursor keinesfalls allein. Ein Großteil der aktuellen Startup Kohorte startet mit preisgünstigen China-Modellen.
🔗 TechCrunch | X | A16Z

🪰 Weitere News gibt es in der letzten Folge des Doppelgänger Podcast…
🔗 Doppelgänger Podcast

📶 Chart der Woche: Das Böse nebenan?

Abbild der Polarisierung. Zumindest ist das die wahrscheinlichste Begründung, warum mehr als die Hälfte der U.S.-Bürger ihre Mitbürger als moralisch fragwürdig betrachten. Christliche Nächstenliebe, Land of the Free oder Melting Pot der Kulturen - das alles erscheint nur noch wie eine Farce. Tatsächlich glauben die meisten Amerikaner, dass sie dem Gegenüber nicht trauen können.

Damit ist das größte Experiment der Geschichte vielleicht noch nicht gescheitert, aber es sieht so aus, als ob Social Media und die Erosion und mutwillige Abtragung demokratischer Strukturen und Institutionen ihre Opfer fordern.

Dass das ein hausgemachtes Problem ist, zeigen die Nachbarn Kanada (92%) und Mexiko (83%), wo die absolute Mehrheit der Menschen ihre Mitbürger als prinzipiell “gut” einstuft. In Deutschland glauben immerhin drei von vier Bürger:innen, dass ihre Mitbürger prinzipiell wohlwollend sind.

Dazu passt übrigens auch, dass laut offiziellen Zahlen mehr Amerikaner denn je ihrem Heimatland den Rücken kehren. Man kann es ihnen nicht verdenken.
🔗 Pew Research | Wall Street Journal

📺 Sehenswert: Peter Harf (JAB Holding) im OMR Podcast (circa 111 min)

Der OMR Podcast sollte für Leser:innen des Newsletters kein Geheimtipp mehr sein. Trotzdem möchte ich auf eine der aktuelleren Episoden aufmerksam machen. Im Gespräch mit Philipp Westermeyer erzählt Manager Peter Harf nicht nur, wie er das Vermögen der Reimann-Familie über Dekaden mehrte, sondern auch wie er dank der Gründung der DKMS zehntausende Leben verlängern konnte. Wie viele deutsche Multimillionäre oder U.S.-Milliardäre können von sich behaupten, durch Eigenengagement und Fundraising so massiv Leiden reduziert zu haben?
🔗 YouTube

🖨️ Earnings Season: Quartalsergebnisse der Woche

Montag 23. März:
Dienstag 24. März: braze (AMC)
Mittwoch 25. März: Pinduoduo (BMO), Beyond Meat (AMC)
Donnerstag 26. März:
Freitag 27. März:

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