KW14 - Perpetuum Muskile

Doppelgänger Update (BETA)

Von Elisabeth L’Orange · 31. März 2025


👋 Hallo! Du empfängst diesen Newsletter als eine(r) von 18,511 Abonnent:innen (+62).

❤️ Danke an alle, die letzte Woche neue Leser:innen auf unseren Newsletter aufmerksam gemacht haben! Die “Share the Newsletter” Funktion findet ihr am Ende der aktuellen Ausgabe und das Rennen startet jeden Montag von neuem. Der heutige Newsletter hat 2,087 Wörter und das vollständige Lesen dauert etwa 5 Minuten. Heute ist Montag, der . 31. März 2025 und die KW14 startet.

Der Newsletter wurde heute dankenswerterweise in Urlaubsvertretung von einer Gastautorin, der Podcasterin (Tech & Tales Podcast) und Deloitte Data & AI Partnerin Elisabeth L’Orange kuratiert und editiert. ❤️ Vielen Dank!

🪆 Musk’s Matrjoschka: Oder wie man in Delaware sagen würde: „a connected party transaction“

Elon Musk hat mit einem unerwarteten Aktiendeal seine Kommunikationsplattform X unter das Dach seines KI-Startups XAI gebracht und damit eine neue Holdingstruktur geschaffen: XAI Holdings.

Für die Transaktion setzte Musk die Bewertung von X bei 33 Milliarden US-Dollar an (nach Abzug von 12 Milliarden Dollar Schulden von einer ursprünglichen Bewertung von 45 Milliarden) und bewertete xAI mit 80 Milliarden Dollar – dem Doppelten der letzten Finanzierungsrunde im Dezember 2023. Mit Abschluss des Deals erhöht sich Musks Aktienanteil um neun Prozent.

Der Deal wirkt prima facie strategisch: Synergiepotenziale, bessere Trainingsdaten für KI-Modelle, weniger direkte Managementverantwortung für Musk. Doch vor allem schafft er eines: zusätzliche Vermögenswerte, die für Musk in der aktuellen Lage von entscheidender Bedeutung sein könnten.

Das eigentliche Problem: Tesler- it’s all computer!

Während die KI-Fantasien bei xAI für steigende Bewertungen sorgen, steckt Tesla steckt in einer tiefen Krise. Befeuert durch Musk’s Verhalten und durch die Molotov Cocktails der Vandalen in den Showrooms leidet das Unternehmen unter sinkender Nachfrage, wachsender Konkurrenz und einer beschädigten Markenwahrnehmung.

Musk hält rund 411 Millionen Tesla-Aktien, was etwa 13 % der ausstehenden Aktien entspricht. Bei einem Kurs von 260 US-Dollar beläuft sich der Wert seines Anteils auf etwa 107 Milliarden Dollar. Davon sind mehr als 238 Millionen Aktien – rund 9 % des gesamten Streubesitzes – als Sicherheit für Kredite verpfändet.

Finanzielle Risiken: Die stille Gefahr der Margin Calls

Die Corporate-Governance-Regeln bei Tesla erlauben es Führungskräften, Aktien zu beleihen – allerdings nur bis zu einer Obergrenze von 25 % des aktuellen Wertes (Loan-to-Value-Ratio, LTV). Musks Kredite dürften sogenannten Margin Loans entsprechen – Darlehen, bei denen der Kreditgeber zusätzliche Sicherheiten fordern kann, sollte der Aktienkurs deutlich fallen.

Die kritische Schwelle für einen Margin Call liegt dann bei einem Aktienkurs, bei dem der Wert der verpfändeten Aktien weniger als das Vierfache des geliehenen Betrags beträgt.
Eine beispielhafte Rechnung bei einem aktuellen Kurs von 260 US-Dollar:

  • Gesamtwert der verpfändeten Aktien: ca. 61,88 Mrd. $

  • Maximal möglicher Kredit (25 % LTV): rund 15 Mrd. $

  • Kritischer Kurs für einen Margin Call: ca. 65 US-Dollar pro Aktie

Fällt der Kurs unter diese Marke, müsste Musk entweder zusätzliche Sicherheiten hinterlegen, einen Teil seiner Kredite zurückzahlen oder Aktien verkaufen – ein Szenario, das im derzeit volatilen Marktumfeld schwer zu managen wäre.

Unwahrscheinlich – aber nicht unmöglich

Ein Rückgang des Tesla-Aktienkurses auf unter 65 US-Dollar erscheint aus heutiger Sicht extrem. Doch selbst erfahrene Marktbeobachter haben die Dynamik von Kursverlusten bei Tech-Titeln in der Vergangenheit häufig unterschätzt. Noch nie hat eine Marke bisher so schnell an Wert verloren – Shortseller haben in den vergangenen Monaten mit Wetten gegen Tesla bereits über 16 Milliarden US-Dollar verdient. Der Druck auf den Kurs ist real – ebenso wie die Risiken für Musk.

Ein Hinweis auf geänderte Risikoeinschätzungen?

Ein weiteres Indiz für eine gewisse Nervosität: Ein Teil der 12 Milliarden Dollar Kredite, die auf X lasten, wurde im Februar von Morgan Stanley auf dem Markt platziert. Das könnte auf eine Neubewertung des sogenannten „Key-Man-Risikos“ hinweisen – also auf die Frage, wie stark Musk als Einzelperson das Risiko für Investoren darstellt.

Vor diesem Hintergrund erscheint der Deal zwischen X und xAI in einem neuen Licht: weniger irrational als strategisch motiviert. Durch die Verschiebung von Vermögenswerten schafft Musk sich möglicherweise neue Beleihungsmöglichkeiten, um im Ernstfall über Liquidität zu verfügen – etwa, um Tesla im Krisenfall abzusichern. Wie die Shareholder von X und den anderen Musk’schen Ventures das permanente Vermengen von Unternehmenswerten finden bleibt abzuwarten.
🔗 SEC Filings TSLA | TSLA IR | Elon Musk Filings | Reuters | Frankfurter Rundschau | Bloomberg

“Gebt den Kindern das Kommando

Sie berechnen nicht was sie tun

Die Welt gehört in Kinderhände

Dem Trübsinn ein Ende

Wir werden in Grund und Boden gelacht

Kinder an die Macht.”

Herbert Grönemeyer - Kinder an die Macht (1986).

Das sind die weiteren News der Woche: 

💰 OpenAI: 40 Milliarden für die Zukunft – Vision und Valuation
OpenAI, das Unternehmen hinter ChatGPT, steht kurz davor, sich eine der größten Venture-Runden der Tech-Geschichte zu sichern: 40 Milliarden US-Dollar, angeführt von SoftBank. Der Deal würde OpenAI mit rund 300 Milliarden Dollar bewerten – ein Preisschild, das sich zwischen Hype und Realität bewegt.

Zu den weiteren Investoren zählen Altimeter, Coatue, Founders Fund und Magnetar Capital – Namen, die in der Wachstumsfinanzierung nicht zum ersten Mal auftauchen. OpenAI selbst verzeichnete 2024 einen Umsatz von 3,7 Milliarden Dollar – 2025 soll er auf fast 30 Milliarden steigen. Ambitioniert, aber in einer Welt, in der Generative KI als das neue Betriebssystem des Internets gilt, nicht völlig unrealistisch.

Doch der Blick auf die Zahlen birgt auch Unsicherheiten: Das Unternehmen erwartet erst 2029 positiven Cashflow. Bis dahin: massive Investitionen in Rechenzentren, Chips und Talent. Mit anderen Worten: Der Kapitalbedarf bleibt hoch, und die Rendite liegt weit in der Zukunft.

Hinzu kommt ein struktureller Knackpunkt: OpenAI muss sich bis Ende des Jahres vollständig in ein gewinnorientiertes Unternehmen umwandeln, damit SoftBank die vollen 40 Milliarden zuschießt. Andernfalls droht ein Rückschritt – auf „nur“ 20 Milliarden.
🔗 WSJ

🤖 Wer Visionen hat sollte zum Arzt gehen? 
Oder für AI Startups raisen? Diese Runde ist definitiv ein Beleg dafür, dass Investoren bereit sind, Visionen mit enormen Summen zu finanzieren – selbst wenn der kommerzielle Durchbruch noch Jahre entfernt ist. OpenAI steht dabei symbolisch für ein neues Paradigma: KI ist keine Spielerei mehr, sondern Teil strategischer Infrastruktur. Die Runde ist außerdem ein Indiz dafür, dass OpenAI nun “too big to fail” ist - jetzt muss durchgezogen werden. 

Die aktuellen Produktentwicklungen sprechen aber auch dafür, dass OpenAI liefern kann. Die Qualität der Bildgenerierung ist einzigartig. OpenAI hat signifikant in das händische Annotieren von Trainingsdaten investiert und sich damit den entscheidenden Vorteil verschafft. Sam Altman schien fast überrascht, als er erklärte, dass die Bildgenerierung eingeschränkt werden müsse, weil die GPUs am schmelzen sein. Das wird Nvidia und die Shareholder mit Sicherheit freuen – das Wachstum ist gesichert.

Dennoch: Bei 300 Milliarden Dollar Unternehmenswert wird der Spielraum für Fehler klein. OpenAI muss nun liefern – technologisch, operativ, regulatorisch. Die Euphorie im KI-Sektor bleibt hoch, aber die Skepsis wächst mit jeder Milliarde.
🔗 Reuters

🚀 Isar Aerospace: Ein erster Schritt ins All – mit Turbulenzen
Am 30. März 2025 um 12:30 Uhr hob die Spectrum-Rakete des Münchner Start-ups Isar Aerospace vom norwegischen Andøya Space Center ab. Nach etwa 30 Sekunden Flugzeit verlor die Rakete die Kontrolle und stürzte ins Meer. Trotz des vorzeitigen Endes wertet das Unternehmen den Testflug als Erfolg: Wichtige Systeme wie der Flight Termination System wurden validiert, und der saubere Start lieferte wertvolle Daten für zukünftige Missionen.

Dieser Testflug unterstreicht Europas Bestrebungen, unabhängige Zugangsmöglichkeiten zum Weltraum zu entwickeln. In Zeiten geopolitischer Spannungen wird die Fähigkeit, Satelliten eigenständig zu starten, immer wichtiger. Isar Aerospace plant, seine Kapazitäten weiter auszubauen und hat bereits Investitionen von Institutionen wie dem NATO Innovation Fund erhalten. 

Zur Zeit hat Starlink, Elon Musks Weltraum Venture, das er nach Gutdünken an- und ausschalten kann, 7000 Satelliten im All. Der Dienst wird unter anderem im Außenministerium, beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik und lokalen Wasserbetrieben eingesetzt. Diese Abhängigkeit in kritischer Infrastruktur sollte überdacht werden und daher war der Raketens kurze Ritt ein großer Schritt für Europa.
🔗 Financial Times | 4AP News

🗽Dienstpflicht für die Freiheit - Grüne schlagen Freiheitsdienst vor
​In der aktuellen Debatte um die Wiedereinführung der Wehrpflicht haben die bayerischen Grünen einen neuen Vorschlag eingebracht: einen verpflichtenden „Freiheitsdienst“ für alle Bürgerinnen und Bürger zwischen 18 und 67 Jahren. Dieser sechsmonatige Dienst soll wahlweise im Wehrdienst, im Bevölkerungsschutz (etwa bei Feuerwehr oder Hilfsorganisationen) oder im gesellschaftlichen Bereich, vergleichbar mit dem Bundesfreiwilligendienst, absolviert werden.

Solche Initiativen sind aus gesellschaftlicher Perspektive durchaus begrüßenswert – doch bleibt die Frage, ob sie tatsächlich zielführend sind. Wir haben in Europa militärisch vor allem ein kulturelles Problem. Die Europäische Union ist eine Friedensunion, wir haben die gesamte Gesellschaft pazifiziert und Kriege unvorstellbar gemacht. Die Forderung, sich nun – wenn auch nur gedanklich – auf einen potentiellen Krieg vorzubereiten, ist schwierig. 

Es fehlt das gewisse Mindset. Soll nun die neue Generation die Fehler jener Staatslenker ausbaden, die aus ihren Sesseln heraus Militärbudgets verabschieden aber es die letzten 40 Jahre versäumt haben sich um Verteidigung zu kümmern? Jene Generation also, die als arbeitsunwillige “Gen Z-Not Me” tituliert wird? Oder soll unsere maßlos überalterte Gesellschaft die 67-Jährigen als eine sklerotische Armee an die Front schicken (hypothetisch)? Ich finde es gehört mehr dazu als einen “Freiheitsdienst” auszurufen und Panzer zu ordern.

Wir brauchen ein Umdenken in der Gesellschaft und für einen solchen Mindset-Shift ist wie immer ein “Warum?” notwendig. Warum sollte sich die Jugend mit lästigen Dingen wie Landesverteidigung beschäftigen? Als Anfang für eine Antwort wäre eine Versöhnung der Generationen dienlich. Keine Politik, die über die Köpfe der Jugend hinweg agiert, keine Gerontokratie. Wir brauchen (weltweit!) eine Übertragung von Verantwortungen. Wir brauchen ein europaweites Schaffen eines “Wir-Gefühls” und das Verständnis, dass wenn wir jetzt nicht in die Jugend investieren, sie sicher nicht unser Land verteidigen werden, wenn wir es nicht mehr können. 
🔗 Berliner Zeitung

📊 Chart der Woche: Deutschland auf Kuschelkurs mit KI: Weltweite Führung bei täglicher Nutzung von GenAI-Tools

Quelle: Deloitte. - State of Generative AI in the Enterprice (Q4 - 2024)

Während vielerorts noch über Risiken, Regulierung und ROI von Künstlicher Intelligenz diskutiert wird, ist Deutschlands Unternehmenslandschaft bereits mitten im Wandel. Laut der aktuellen Deloitte-Studie „State of Generative AI in the Enterprise“ liegt Deutschland im internationalen Vergleich auf Platz 1, wenn es um die tägliche Nutzung von GenAI-Tools durch Mitarbeitende geht.

23 % der deutschen Belegschaft mit Zugang zu GenAI-Tools nutzen sie täglich – das ist mehr als doppelt so viel wie im globalen Durchschnitt (11 %).

Die Daten stammen aus einer Befragung von C-Level-Führungskräften und Direktoren – 150 aus deutschen Unternehmen, über 2.700 weltweit. Das bedeutet: In deutschen Unternehmen wird GenAI nicht nur eingeführt – sie wird auch aktiv in den Alltag integriert.

Das Bemerkenswerte daran ist, dass wir hierzulande kaum eigene KI entwickeln und eher weniger an der Wertschöpfung partizipieren. Daher lassen diese Zahlen hoffnungsvoll stimmen.
🔗 Deloitte.

🎧 Hörenswert: #462 Lex Fridman - Ezra Klein and Derek Thomson

Ezra Klein ist eine der einflussreichsten Stimmen des linken Flügels der amerikanischen Politik. Er ist Kolumnist der New York Times und Moderator der Ezra Klein Show. Derek Thompson ist Autor bei The Atlantic und Moderator des Podcasts „Plain English“. Gemeinsam haben sie ein neues Buch mit dem Titel „Abundance“ geschrieben, das eine Reihe von Ideen für die Zukunft der Demokratischen Partei darlegt. Beide sind zur Gast im Lex Fridman Podcast.
🔗 YouTube | Spotify | Apple

📺 Sehenswert: Tiny Desk Concerts

Tiny Desk Concerts. Die größte winzige Bühne der Welt befindet sich in einem Glasgebäude in einem aufstrebenden Viertel von Washington D.C.. Sie wird viermal pro Woche um die Mittagszeit hinter dem ehemaligen Schreibtisch des Moderators Bob Boilen in der Nachrichtenredaktion des amerikanischen öffentlich-rechtlichen Radiosenders NPR aufgebaut. Boilen, der im Oktober in den Ruhestand ging, hatte die Idee zu den Tiny Desk Concerts, nachdem er die frustrierende Erfahrung gemacht hatte, ein Konzert zu besuchen, das von den Gesprächen anderer Leute dauernd unterbrochen wurde. Das intime, improvisierte Format hat sich zu einer globalen Sensation entwickelt. Live-Musik, die jedes Mal von bis zu 120 Millionen Menschen gesehen wird. Die Videos werden zunächst auf der Website des Senders ausgestrahlt und innerhalb weniger Tage auf YouTube veröffentlicht, wo sie jeden Monat etwa 45 Millionen Mal aufgerufen werden.
🔗 Tiny Desk Concerts (NPR)

Dieser Newsletter wird auch weiterhin jeden Montagmorgen auf wundersame Weise in Deiner Inbox erscheinen. Einen Faxabruf gibt es leider nicht. Vielleicht solltest Du die Absender-eMail in Deinem eMail-Programm whitelisten oder den Newsletter in Deine Primary Inbox verschieben, um keine Ausgabe zu verpassen.
Danke für Deine Zeit und Aufmerksamkeit! ❤️

📮 Schick mir gern Dein Feedback an [email protected] oder leite diese Mail an Freunde und Kollegen weiter, wenn Du sie nützlich fandest.

Oder nutze diesen Link um ihn in sozialen Netzwerken und mit Freunden zu teilen: https://doppelgaenger.beehiiv.com/subscribe?ref=PLACEHOLDER
Die erfolgreichsten Helfer:innen, erwähnen wir im nächsten Newsletter.