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KW12 - 🛢️ Die petrochemische Weltordnung
Doppelgänger Update (BETA)
Von Philipp Klöckner · 9. März 2026
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❤️ Danke an alle, die letzte Woche neue Leser:innen auf unseren Newsletter aufmerksam gemacht haben! Die “Share the Newsletter” Funktion findet ihr am Ende der aktuellen Ausgabe. Der heutige Newsletter hat 1.668 Wörter und das vollständige Lesen dauert etwa 5 Minuten. Heute ist Montag, der 16. März 2026 und die KW12 startet.
🛢️ Ein Primer über die Straße von Hormus

Mehr als 100 Schiffe, davon viele Öl- und Gastanker, durchqueren täglich(!) die Straße von Hormus. Im Bauch der Schiffe allein rund 3 Millionen Tonnen Öl oder ein Fünfter der weltweiten Produktion an Erdöl und flüssigem Gas, dass die Meerenge passiert.

Das Nadelöhr verbindet den Golf von Oman, das Arabische Meer und damit die Weltmeere mit dem Persischen Golf, der wiederum der Seezugang für die ölproduzierenden Länder der Region, Kuwait und Irak im Norden, die wichtigsten Ölfelder Saudi-Arabiens, sowie Bahrain, Qatar und die Emirate Dubai und Abu Dhabi darstellt. Zwar gibt es Pipelines, um die Straits of Hormuz zu umgehen, diese fassen aber nicht mal 10 Prozent des Volumens, das auf dem Schiffsweg exportiert wird.

Die Führer im Iran, von Trumps Amerika und Netanyahus Israel bombardiert, können sich an ihren Angreifern nicht direkt rächen. Die Luftabwehr Israels, der sogenannte “Iron Dome”, und die der US-Kriegsschiffe dürfen als robust angenommen werden. Deswegen bleibt den religiösen Führern, deren Tod andernfalls als sicher gelten dürfte, nur eine letzte Möglichkeit, Verhandlungsmacht zu behalten.
Sie versuchen die gesamte Golfregion wortwörtlich in Mitleidenschaft zu ziehen und den maximalen Kollateralschaden herbeizuführen. Das liegt auch daran, dass der Iran, so wie seine Proxys, die Hamas oder Hisbollah, schon lange keine echten Verbündeten mehr in der Region hat. Insofern versucht man, maximalen Schmerz auf die vermeintlichen Verbündeten der USA und die Weltwirtschaft zu projizieren, um Trump und Bibi zum Einlenken zu bewegen.
Der Würgegriff um die Meerenge bei Bandar Abbas ist eins der besten Mittel, um nicht nur den Golfstaaten den Ölverkauf zu verderben, sondern auch die Schmerzgrenze der Energieimporteure von Europa bis China zu testen. Den Ölpreisschock spürt von BASF ber Xi Jinping bis zum US-Konsumenten an der Tankstelle, letztlich jeder. In unser bis in die Gegenwart petrochemischen Wirtschaftsordnung, in der angebliches Wirtschaftswachstum seit 150 Jahren zum überwiegenden Teil von der Fähigkeit, Energie aus der Erdkruste zu extrahieren, definiert wird, zeigt sich Kriegsmüdigkeit an der Zapfsäule.
Wenn China in seinem jüngsten 5-Jahres-Plan erneut auf energetische Unabhängigkeit abzielt, löst man sich damit auch aus dem geopolitischen Schwitzkasten der Ölimperien. Im Falle eines Angriffs auf Taiwan wäre das energiehungrige China vermutlich früher oder später mit einem Ölembargo in die Knie zu zwingen. Aber seit Jahren baut China nicht nur erneuerbare Energien in ungeahntem Ausmaß aus, sondern stellt auch jedes Jahr seine Fahrzeugflotte mehr und mehr auf Elektroautos um.
Im Moment ist China noch mit Energie erpressbar. Trumps Angriffe schaffen Verhandlungsmasse. Denn 70% des Öls Venezuelas und 90% der iranischen Produktion gingen ins Reich der Mitte. Die Kontrolle über diese Quellen ist auch ein Faustpfand gegen China. Sie könnten einen Überfall auf Taiwan zu einer bitteren Pille für China machen. So wie wir von den Chips abhängig sind, ist China es (noch) von Energie.
Die Sperrung der Straße von Hormus derweil war absehbar. Der Iran nutzte diese Möglichkeit schon in den 80ern und jeder Praktikant im Pentagon sollte darauf gefasst gewesen sein. Die Blockade langfristig aufrechtzuerhalten, könnte für den Iran aber ebenfalls schwer sein. Denn weil man das im Überfluss verfügbare Öl nicht selbst raffiniert, ist der Iran seinerseits selbst Importeur von Benzin und Diesel. So kann er vergleichsweise einfach von Kraftstoffen abgeschnitten werden und würde schon bald erheblich in seinen Möglichkeiten begrenzt. Die petrochemische Weltordnung eben.
🔗 ZDF heute | WSJ
PS: Auch für das nächste Zeitalter ist der Iran “gerüstet”. So greift man zunehmend digitale Infrastruktur, wie AWS Data Center in Bahrain und den Emiraten an. Meine Vermutung ist jedoch, dass es dabei weniger um die Infrastruktur, als mehr um eine Schmerzprojektion auf Trumps Oligarchen geht. So erklärte man offiziell Google, Microsoft, Nvidia, Oracle und Palantir zu legitimen Zielen von Drohnenangriffen.
💬 Zitat der Woche
“The only thing prohibiting transit in the straits right now is Iran shooting at shipping. It is open for transit should Iran not do that.”
📰 Das sind die weiteren News der Woche:
💰 AMI Labs sammelt Milliarde ein: Advanced Machine Intelligence ist das neue Startup des emiritierten Meta-KI-Chef-Wissenschaftlers Yann LeCun. Da der Franzose das Hauptquartier von AMI Labs nach Paris legt, handelt es sich mit 1,03 Milliarden US-Dollar um die größte jemals geraiste Seed-Runde auf dem Kontinent. Neben NVIDIA und Samsung zählen auch Jeff Bezos und der Münchner VC HV Capital zu den Investoren. Yann LeCun will sich mit seinem Unternehmen der Erforschung sogenannter “World Models” widmen. Die versprechen neben schnellerem Lernen auch ein besseres Verständnis von Physik und der Welt als Ganzes.
🔗 TechCrunch | Wall Street Journal
🔓 Security Startup knackt McKinsey KI: Ein autonomer KI-Agent der Sicherheitsfirma CodeWall hat die interne KI-Plattform „Lilli“ der Unternehmensberatung McKinsey in nur zwei Stunden erfolgreich gehackt. Durch das Ausnutzen einer klassischen SQL-Injection-Schwachstelle und ungesicherter Endpunkte erlangte der Agent vollständigen Lese- und Schreibzugriff auf die Produktionsdatenbank. Dabei wurden sensible Daten wie 46,5 Millionen Chat-Nachrichten, über 700.000 vertrauliche Dateien und Zehntausende Nutzerkonten offengelegt. McKinsey bestätigte die Sicherheitslücke, betonte jedoch, dass diese nach der Meldung durch die Forscher umgehend geschlossen wurde und es keine Hinweise auf einen Missbrauch durch nicht autorisierte Dritte gäbe. Der Vorfall gilt als warnendes Beispiel dafür, wie effizient KI-Systeme heutzutage Schwachstellen in anderen KI-Infrastrukturen finden und ausnutzen können.
🔗 The Register
💸 Google schließt Wix-Übernahme ab: Google hat die Übernahme des israelischen Cybersicherheits-Startups Wiz für 32 Milliarden US-Dollar offiziell abgeschlossen, was den größten Zukauf in der Geschichte von Google (Alphabet) darstellt. Der Deal wurde etwa ein Jahr nach den ersten Verhandlungen finalisiert, nachdem die US- und EU-Regulierungsbehörden grünes Licht gegeben hatten. Wiz, das bereits 2025 die Marke von einer Milliarde Dollar an jährlich wiederkehrendem Umsatz überschritt, wird in die Google Cloud integriert, soll aber seine Marke und die Unterstützung für andere Plattformen wie AWS und Azure beibehalten. Mit diesem Schritt will Google seine Position im hart umkämpften Cloud-Markt stärken und insbesondere die Sicherheit in Multi-Cloud- und KI-Umgebungen verbessern. Experten sehen darin einen Meilenstein, da Sicherheit in der Ära der künstlichen Intelligenz nicht mehr nur als Zusatzfunktion, sondern als zentrales Produktivgut betrachtet wird.
🔗 TechCrunch
🥸 Wie der Iran uns mit KI manipuliert. Ein interaktiver Bericht der New York Times dokumentiert, wie der Iran künstliche Intelligenz nutzt, um eine neue, hochmoderne Ära der digitalen Kriegsführung und Desinformation einzuleiten. Durch den Einsatz von KI-generierten „Deepfake“-Nachrichtensprechern und täuschend echt wirkenden Social-Media-Profilen verbreitet Teheran gezielt Narrative, um westliche Gesellschaften zu spalten und die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Die Recherche zeigt auch, dass diese Kampagnen durch generative KI nicht nur billiger und schneller geworden sind, sondern auch sprachlich präziser, wodurch sie für Nutzer immer schwerer als Propaganda zu entlarven sind. Experten warnen, dass die Geschwindigkeit, mit der diese KI-Inhalte produziert werden, die Kapazitäten der Plattform-Moderatoren und Faktenchecker zunehmend überfordert.
🔗 The New York Times
🪰 Weitere News gibt es in der letzten Folge des Doppelgänger Podcast…
🔗 Doppelgänger Podcast
📶 Chart der Woche: Nichts geht über Aktien

Ob “Betongold” oder echtes Edelmetall, mit der Performance der Aktienmärkte kann einfach nichts mithalten. Umso trauriger, dass Politiker vieler Parteien in Deutschland auch weiterhin versuchen, die Aktienmärkte mit Casino-Mentalität und Zockerei zu assoziieren. Besser kann man mangelnde Finanzbildung nicht demonstrieren.
🔗 Visual Capitalist
📝 Unterstützenswert: Altersvorsorge-Depot ohne Gebührenfalle

Die Idee hinter dem Altersvorsorge-Depot ist gut: ein staatlich gefördertes Depot mit ETFs, das Millionen Menschen beim Vermögensaufbau fürs Alter helfen soll.
Aber im aktuellen Gesetzentwurf sind die erlaubten Kosten viel zu hoch: Nur für eine Variante des AV-Depots sind sie auf 1,5 % pro Jahr gedeckelt (und können in anderen Varianten noch höher liegen). 1,5 % klingen für viele Menschen harmlos – ist aber ein massiver Renditekiller.
Ein Beispiel:
Wenn Du 200 € im Monat über 40 Jahre bei 6 % Rendite investierst, hast Du mit 1,5 % Kosten rund 75.000 € weniger Vermögen als bei 0,5 % Kosten.
💸 75.000 €, die aus Deinem Depot in die Taschen der Finanzindustrie wandern! Dieses Geld fehlt Dir später im Ruhestand.
Deshalb haben die unabhängigen Experten von Finanztip eine Petition an die Abgeordneten des Bundestags gestartet. Ihre Forderungen:
👉 Deckelt die Kosten bei maximal 0,5 % pro Jahr.
👉 Stärkt die Förderung für Familien und kleinere Einkommen.
👉 Macht das System transparent und verständlich.
🔗 Finanztip | Petition
📺 Sehenswert: Elon Musk Uncovered - Das Tesla-Experiment

Im Dokumentarfilm „Elon Musk Uncovered: Das Tesla-Experiment“ brechen Vertraute, Whistleblower, einstige Tesla-Eliten und Opfer erstmals ihr Schweigen und geben unbekannte und exklusive Einblicke in das Imperium Tesla. Ihre Enthüllungen führen tief hinein in einen Konzern, der den milliardenschweren Wettlauf um selbstfahrende Autos mit allen Mitteln gewinnen möchte. Und sie zeigen, wozu Elon Musk dabei fähig ist. Ein gefährliches Spiel, in dem Gier, Machtstreben und blinder Ehrgeiz Menschenleben fordern. Der Film ist derzeit auf Sky und WOW zu sehen. Im Mai wird er auch in der Mediathek verfügbar werden.
🔗 Sky | SWR
🖨️ Earnings Season: Quartalsergebnisse der Woche
Montag 16. März: Dollar Tree (BMO)
Dienstag 17. März: oklo (AMC), lululemon (AMC), DocuSign (AMC)
Mittwoch 18. März: Tencent (BMO), Micron (AMC), d.local (AMC)
Donnerstag 19. März: Alibaba (BMO), accenture (AMC)
Freitag 20. März: xPeng (BMO)
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