KW11 - Peter Thiels Tax- & Tech-Territorien

Doppelgänger Update (BETA)

Von Philipp Klöckner · 10. März 2025


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❤️ Danke an alle, die letzte Woche neue Leser:innen auf unseren Newsletter aufmerksam gemacht haben! Die “Share the Newsletter” Funktion findet ihr am Ende der aktuellen Ausgabe und das Rennen startet jeden Montag von neuem. Der heutige Newsletter hat 1,386 Wörter und das vollständige Lesen dauert etwa 5 Minuten. Heute ist Montag, der 10. März 2025 und die KW11 startet.

🌆 “Freedom Cities” - Peter Thiels Anarchie-Inseln

Was ist passiert? Laut Informationen des Magazins WIRED haben Abgesandte sogenannter “Startup Nations” sie mit der Trump-Regierung getroffen. um die Errichtung sogenannter “Freedom Cities” zu diskutieren. Diese quasi rechtsfreien Enklaven sind ein lang gehegter Traum des Tech-Right-Vordenkers Peter Thiel und anderer Silicon Valley Protagonisten.

Rechte, Regulierung, Steuern? Fehlanzeige. Die avisierten Sonderwirtschaftszonen sollen vor allem auf lästige Regulierung, was Umweltvorschriften, Gen-Experimente, Verkehrs- und Luftverkehrszulassungen verzichten. Feuer frei für technologischen Fortschritt ohne Grenzen und Gewissen. Auch Steuern behindern nur den Fortschritt der Tech-Mogule und das Anwachsen ihrer Bankkonten. Abgaben sind etwas für Normalbürger. Der Staat kann auch über Konsumsteuern und Zölle finanziert werden, scheint man in Washington zu glauben. Gewerkschaften und Arbeitnehmerrechte scheinen auch unliebsame Bürde aus Sicht der Visionäre dieser Zukunftsstädte zu sein.

Peter Thiel, Sam Altman und Marc Andreessen finanzieren bereits 2013 einen Laborstaat auf dem Gebiet der südamerikanischen Halbinsel Roatán (Honduras). Um das möglich zu machen bedurfte es eines vorherigen Putsches, der illegitimen Entlassung von vier Verfassungsrichtern und einer unpopulären Änderung der Verfassung Honduras, aber wo Tech- und Crypto-Bros hobeln fallen Späne.

Für Honduras ist die Freedom City eine Shit Show geworden. Weil die aktuelle Regierung das Projekt beenden möchte, drohen die Visionäre der Prospera Group dem Land mit einer 10.8 Milliarden US-Dollar Klage. Das entspräche einem Drittel des Bruttosozialprodukt des gescholtenen Landes und übertrifft das Staatsbudget bei weitem. Doch damit nicht genug…

Ein alter Bekannter soll den Forderungen Nachdruck verleihen. Mit Hilfe des Trump-Machers Roger Stone versucht man außerdem, einen Regimewechsel in Honduras zu erzwingen. Ich wäre nicht überrascht, wenn der schambefreite US-Präsident als nächstes den wegen Drogenhandels im US-Gefängnis befindlichen Ex-Präsidenten Hernandez begnadigt, um ihn wieder ins Rennen um die Präsidentschaft zu schicken.

Auch das Crypto-Experiment des El Salvadorianischen Präsidenten Nayib Bukele erklärte der englische Economist kürzlich für vorerst gescheitert. Das Land muss mit dem IMF über Hilfskredite, Etatkürzungen und weitere Zugeständnisse verhandeln, nachdem der El Presidente aller Crypto-Bros mit seinem Hail Mary Experiment das Land nur noch weiter in den Ruin trieb.

Sollte es Trump nicht gelingen, wird vermutlich spätestens Peter Thiels Geschöpf JD Vance in einer etwaigen späteren Amtszeit versuchen, die libertären Träume der Tech-Oligarchen einzulösen. Mein Eindruck ist, dass die reichsten drei Männer (Musk, Bezos, Zuckerberg) sich schon lange nicht mehr an Staaten gebunden fühlen. In einer globalisierten Welt sind die Vereinigten Staaten sicherlich noch ein guter Sicherheitsgarant und Magnet für Top-Arbeitskräfte. Darüber hinaus weisen die großen Tech-Unternehmen aber schon heute sehr niedrige effektive Steuerquoten aus und scheinen sich nun endgültig die Regierung zumindest temporär zum Erfüllungsgehilfen ihrer eigenen Großmachtsphantasien gemacht zu haben.
🔗 WIRED | heise | DerStandard | NYTimes

“I no longer believe that freedom and democracy are compatible.”

Peter Thiel - US-Investor in einem 2009 veröffentlichten Manifest.

Das sind die weiteren News der Woche: 

🧠 Ist Manus das nächste DeepSeek? Letzte Woche launchte der chinesische KI-Agent Manus. Der Agent wird von vielen Experten und Anwendern als die fortschrittlichste KI-Augmentation empfunden, die sie bisher erlebt hätten. Auf dem Discord-Server der Anwendung sammelten sich in Rekordzeit 138.000 Nutzer. Laut Hersteller “The Butterfly Effect” soll Manus auch Immobilien kaufen oder Videospiele programmieren können. Im Hintergrund nutzt Manus allerdings State-of-the-Art Modelle wie Claude (Anthropic) und Qwen (Alibaba).
🔗 TechCrunch

💰 Chinesen investieren in Elon: Über sogenannte Special Purpose Vehicles (SPVs) investieren mehr und mehr mächtige Chinesen in Firmen wie SpaceX, Xai oder Neuralink. Der Special Purpose dieser Vehikel scheint in diesem Fall vor allem die Verschleierung der tatsächlichen Shareholder zu sein. Die Vermittler der Investments werben für die Unternehmen Musks vor allem mit einem Wettbewerbsvorteil: Die engen Verbindungen des CEOs in der US Regierung.
🔗 The Financial Times

🤷✈️ Kann Trump F-35 Jets lahmlegen? Luftwaffen-Generale weltweit fragen sich gerade, ob die US einen “Kill Switch” für die von der US-Firma Lockheed Martin verkauften F-35 Jets haben könnte. Die interne Software, das cloud-basierte Operational Data Integrated Network (Odin), das von den USA kontrolliert wird, könnte den US auch aus der Ferne die Kontrolle über einzelne Funktionen der Jets erlauben.
🔗 Ottawa Citizen

🚕 Bolt geht über den großen Teich: Der Uber-Konkurrenz Bolt aus Estland betritt den nordamerikanischen Kontinent. Zunächst möchte man Uber und Lyft in Kanada mit niedrigeren Margen Konkurrenz machen. Mit 10 Milliarden an Buchungsvolumen ist Bolt nur noch wenig kleiner als der kleine Uber-Wettstreiter Lyft.
🔗 The Information

🚕 Reddit-Cofounder will TikTok: In der letzten Folge des Doppelgänger Podcast erklärten wir, warum Reddit-Gründer Alexis Ohanian die alte Web2.0 Plattform DIGG wiederbeleben möchte. Der umtriebige Tech-Unternehmer scheint parallel aber auch das Projekt Liberty Global des US-Philanthrop Frank McCourt zu unterstützen. Zusammen möchte man die US-Version von TikTok übernehmen und Bürger:innen-freundlich(er) gestalten.
🔗 Reuters

🆘 Chart der Woche: Was USAID wirklich kostet

Grafik: NZZ Quelle: OECD

Elons dümpelnde DOGE Truppe musste bereits öffentlich zugeben, dass ihre Top 5 Errungenschaften allesamt erstunken und erlogen sind. Kommentarlos löschte man die Nullnummern von der Website des DOGE. Bisher hat DOGE nur bewiesen, dass man weder Grundrechenarten, noch die Funktionsweise von Regierungskontrakten versteht.

Einen “Erfolg” kann man dennoch vermelden: Die Ziele des Projekt 2025, welches den demokratischen Staat zu schleifen und gleichzuschalten sucht, sind in Bezug auf das USAID zu 100% erfüllt worden, wie die Website Project 2025 Tracker zeigt, welche den Fortschritt bei der Umsetzung des radikalen Playbooks dokumentiert. Sie zeigt auch, dass DOGE, Effizienz und Bürokratieabbau nur ein Vorwand sind, um politische Ziele zu erreichen und unliebsame Institutionen der Demokratie zu verstümmeln.

USAID wird dabei als Ausdruck spätrömischer Dekadenz vorgeführt und den Bürgern weis gemacht, dass hier Milliarden ihrer Steuergelder verschwendet und veruntreut werden. Tatsächlich beträgt das Budget der Behörde nur etwa ein viertel Prozentpunkt des Nationaleinkommens. Keine große westliche Demokratie gibt relativ gesehen weniger ihres Sozialprodukts für Entwicklungshilfe aus.

Zudem ging ein Großteil der Hilfen an die Ukraine. Allein das sollte Musk und Trump nicht passen. Ansonsten schätzen Research-Programme, dass durch USAID im Jahr 3-5 Millionen Leben verschont werden. Das sind Kinder, die dank der Hilfe nicht verhungern oder mit HIV zur Welt kommen müssen, Zelte, die vor Malaria schützen und viele weitere sinnvolle Programme, die nun abgeschafft werden müssen, um die Einkommenssteuern der reichsten Amerikaner weiter zu reduzieren.
🔗 NZZ

🎧 Hörenswert: The Daily - DOGE Has a Math Problem (ca. 28 min)

Wie effektiv ist DOGE? Dieser Frage ging der US-Journalist David A. Farenthold (NYTimes) nach. Dabei entdeckte er nicht nur, dass die fünf größten Ersparnisse durch DOGE kompletter Unfug waren, sondern entlarvt auch die Inkompetenz der DOGE Mitarbeiter und wie die Institutionen versuchen, der DOGE-Inquisition zu entkommen.
🔗 NYTimes | Spotify | Apple

📺 Sehenswert: Chris Murphy - Trump and Musk’s Rampage of Open Corruption (ca. 28 min)

Wie verwandelt man ein Land in 6 Wochen in eine Bananenrepublik? Das versucht der demokratische Senator Chris Murphy in seiner Rede zu dokumentieren. In einer halben Stunde zeigt er, wie Elon Musk und Donald Trump genau die Agenturen verkrüppeln, die bis vor kurzem noch gegen sie und ihre Gang ermittelten. Es wird auch klar, warum die ganze Regierung einen einzigen Interessenskonflikt darstellt. Während man dem einfachen Bürger angebliche DOGE-Einsparungen verkauft, steigen die Staatsausgaben und man macht sich und seinen Freunden die Taschen voll.
🔗 Forbes

🖨️ Earnings Season: Quartalsergebnisse der Woche

Montag 10. März: BionTech (BMO), Oracle (AMC), asana (AMC)
Dienstag 11. März: Groupon (AMC)
Mittwoch 12. März: iRobot (BMO), Adobe (AMC), UiPath (AMC), SentinelOne (AMC), Veeva (AMC)
Donnerstag 13. März: FUTU (BMO), DocuSign (AMC)
Freitag 14. März:

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Die erfolgreichsten Helfer:innen, erwähnen wir im nächsten Newsletter.