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KW10 - Trump jagd Ayatollah Amodei!
Doppelgänger Update (BETA)
Von Philipp Klöckner · 2. März 2026
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❤️ Danke an alle, die letzte Woche neue Leser:innen auf unseren Newsletter aufmerksam gemacht haben! Die “Share the Newsletter” Funktion findet ihr am Ende der aktuellen Ausgabe. Der heutige Newsletter hat 1.568 Wörter und das vollständige Lesen dauert etwa 5 Minuten. Heute ist Montag, der 2. März 2026 und die KW10 startet.
🗽 Trump jagt Ayatollah Amodei!

Eine entscheidende Woche des Jahres 2026 könnte die letzte Februar-Woche werden. Nicht nur weil die US-Regierung zusammen mit Israel die Golfregion, Märkte und viele Beobachter ein weiteres Mal in Angst und Schrecken versetzt. Auch für das Wettrüsten im Kampf um die beste künstliche Intelligenz handelt es sich um eine Zäsur.
Das Pentagon, dem man nicht vorwerfen kann, dass es seinem Namen als neu ernanntes U.S.-Kriegsministerium nicht alle Ehre machen würde, möchte die Software des KI-Labor Anthropic nutzen um damit klassifizierte, also geheime, Daten auszuwerten und gegebenenfalls automatisiert Entscheidungen zu treffen. Schon bei der Venezuela-Kampagne der US-Regierung soll der als Claude bekannte Chat-Agent bzw. dessen Schnittstelle zum Einsatz gekommen sein.
Anthropic wurde von OpenAI-Eremiten gegründet, allen voran das Ehepaar Amodei, die sich geschworen haben KI deutlich verantwortlicher zu entwickeln, als man es bei OpenAI tat. Daher wollte man im Vertrag mit dem Pentagon unter anderem ausschließen, dass die Software genutzt wird, um Amerikaner (!) systematisch auszuspionieren. Außerdem soll die KI nicht eingesetzt werden um Waffensystem autonom menschliches Leben auszulöschen.
Diese ultimative Einschränkung war dem Pentagon aber bereits zu viel. Es bestand darauf, dass es nicht im Ermessen des Dienstleister läge, wie und wofür man dessen Software einsetzt. Den widerborstigen KI-Idealisten drohte man damit, die Firma als ein Lieferketten-Risiko einzustufen, was zur Folge hätte, dass kein Unternehmen, das mit dem Pentagon und anderen Behörden arbeitet, mehr die Software von Anthropic nutzen dürfte. Amodei könnte so Dutzende von Fortune500-Kunden verlieren.
Dieser maßlose Eingriff in die Privatwirtschaft sucht Seinesgleichen. Ähnliche Mittel legt man sonst nur gegen der Spionage verdächtigte chinesische Unternehmen wie Huawei ein. Nun droht man eins der erfolgreichsten U.S.-Unternehmen zu ruinieren, wenn es sich nicht beugt. Selbst auch diese Trump-Willkür wieder von Gerichten kassiert werden würde, entstünde einstweilen ein enormer Schaden im KI-Rennen, um denen es dem Anschein nach manchmal eher um Stunden als Wochen geht.
Subsidiär droht man sogar den Defense Production Act von 1950 zu aktivieren, der es der U.S.-Regierung im Kriegsfall (damals Korea) ermöglicht die Kontrolle über einzelne Unternehmen, Industrien und Lieferketten zu übernehmen. Nur dass man statt die Autoindustrie zu bitten Panzer und Helicopter herzustellen ein KI-Labor dem Trump’schen Willen zu unterwerfen sucht. Der Präsident selbst untersagte per Social Media allen Behörden mit Anthropic zu arbeiten und gab eine Übergangsphase von 6 Monaten bekannt. Eher ein Erpressungsversuch als eine Direktive, wenn man Trump kennt.
Es scheint hier schon lang nicht mehr nur um die Fähigkeiten der eingekauften Software zu gehen. Hört man den Protagonisten aus dem MAGA-Kabinett zu, geht es darum, den Willen der vermeintlich letzten “woken” KI-Firma zu brechen. Der moralische Kompass soll im Weißen Haus beziehungsweise dem Pentagon und nicht bei einer Horde idealistischer Wissenschaftler und Forscher definiert werden.
In einem angeblichen Kompromiss bot das Pentagon an zu konstatieren, dass solche fragwürdigen Anwendungsgebiete derzeit ja sowieso von der Verfassung verboten wären und es darüber hinaus keine zusätzlichen Schranken seitens Anthropic bräuchte.
Umso klarer scheint, dass wie alle davon ausgehen sollten, dass die derzeitige U.S.-Administration nicht ohne Grund auf diese Fähigkeiten besteht. Entweder möchte man KI nicht nur für die Überwachung von Nicht-Amerikanern anwenden oder es handelt sich um ein vollkommen überzogenes Kräftemessen im Kulturkampf um sogenannte “woke AI”.
Nicht eine Sekunde scheint übrigens OpenAI-Boss Sam Altman gezögert zu haben, der gern die Scherben aufgesammelt hat, welche die Konfrontation hinterlassen hat, und scheinbar mit weniger Skrupeln einen neuen Vertrag mit dem Pentagon besiegelte. Auch Grok (Elon Musks KI) kündigte Kriegsminister Hegseth als Partner für die Verarbeitung geheimer Daten an.
Wenn wir KI-Chatbots nutzen um unsere intimsten und geheimsten Gedanken, Gefühle, Ängste, Projekte und Vorhaben zu teilen, sollte uns spätestens jetzt in Erinnerung gerufen werden, dass U.S.-Behörden jederzeit systematisch oder mit konkretem Anlass diese Konversationen durchstöbern könnten. Ich erinnere an das PRISM-Programm, von dessen Existenz wir nur dank des Hochverräters Edward Snowden wissen.
Es gibt keinen Grund davon auszugehen, dass U.S.-Behörden nicht auch weiterhin sämtliche digitale Kommunikation und insbesondere die mit Chatbots überwachen. Und keiner U.S.-Regierung sollten wir mehr misstrauen als der derzeitigen. Auch wenn ich mir sicher bin, dass selbst unter demokratischer Ägide grundsätzlich die gleichen Bedenken angebracht wären.
Anthropics Amodei entwickelt sich derweil zur Galionsfigur des Widerstands. Weil er scheinbar der einzige Silicon Valley CEO ist, der ein Rückgrat statt Knieschoner zu Auseinandersetzungen mit der Trump-Administration mitbringt, gibt er vielen Hoffnung. Die sozialen Netzwerke sind voll von Nutzern, die ihr ChatGPT-Abo kündigen, zur Claude wechseln oder ihre bestehendes Abo upgraden. So könnte der drohende Schaden für Anthropic auch Gutes mit sich bringen.
OpenAI scheint derweil sich mal wieder selbst ein Bein zu stellen. Im schlimmsten Fall eines immer größer werdenden Boykotts könnte sogar der Börsengang des Unternehmens, für das Sam Altman gerade mit Mühe und Not wieder Geld einsammeln konnte zu wackeln. Das Endkundenwachstum hat bereits nachgegeben und Google und Anthropic gewinnen Marktanteile gegen den ChatGPT-Macher.
Der Königsweg für Amodei wäre, seine KI einfach so gut zu machen, dass die USA gar nicht drum herum kommen sie zu kaufen. Schon jetzt scheint man ja offenbar extrem interessiert an dem Produkt zu sein. Das zeigt sich nicht zuletzt auch dadurch, dass das Kriegsministerium im Angriff auf den Iran wohl erneut auf Anthropic gesetzt haben soll, obwohl zu dem Zeitpunkt Trumps Bann bereits gültig war. Noch am gleichen Tag verstieß die Regierung gegen ihre eigene Sanktion.
Indes beschämt die Trump-Administration mit einem weiteren Fall von Regierungsinterventionismus in die freien Märkte genau das, was die Vereinigten Staaten und ihre Wirtschaft so erfolgreich gemacht haben. Die Konsequenz davon, einen kriminellen Unternehmer-Darsteller aus dem Fernsehen zum Präsidenten zu machen ist Korruption, Vetternwirtschaft, weniger freies Unternehmertum und zunehmende staatliche Eingriffe in die freie Marktwirtschaft.
🔗 CNN | AXIOS (2) | WSJ
Zitat der Woche

Trump auf Truth Social
Das sind die weiteren News der Woche:
🗳️ OpenAI schließt Finanzierungsrunde: Mit 110 Milliarden US-Dollar schloss OpenAI nach eigenen Angaben die größte Finanzierungsrunde in der Geschichte des Wagniskapitals ab. Meine Interpretation ist, dass an der Zahl eine Menge Fußnoten kleben. So soll Amazon 50 Milliarden US-Dollar investiert haben, von denen aber erstmal nur 15 fließen, während OpenAI erneut Dienstleistungen von Amazon einkauft. Auch NVIDIAs 30 Milliarden sind an Bedingungen gebunden. Sollte OpenAI es nicht bald an die Börse schaffen, könnte die Luft bald dünn werden.
🔗 CNBC
💹 NVIDIAs Zahlen überzeugen: Und doch fällt die Aktie. Obwohl Wachstum, Margen und Gewinne von NVIDIA ebenso stiegen wie die Aussichten auf das nächste Quartal, würde die Aktie eher abverkauft. Erneut fragen sich Analysten, woher das weitere Wachstum kommen soll, wenn die Hyperscaler schon massiv investieren. Jensen Huang meint, das Geschäft mit seinen Chips sei so profitabel, dass noch viel mehr investiert werden kann. Das scheinen nicht alle am Markt zu glauben.
🔗 CNBC
🚪 Netflix steigt aus Warner-Deal aus: “Winner’s Curse” nennt man den Fluch, eine Auktion durch impulsives Überbieten zu einem viel zu hohen Preis gewonnen zu haben. Dieses begrenzt rationale Verhalten konnte Netflix verhindern und stieg aus dem Bieterwettstreit um Warner Bros mit Larry Ellisons Paramount aus. Warum Ellison wohl bereit ist, weit mehr zu bieten als wirtschaftlich sinnvoll scheint, erklärt Wired.
🔗 Wired
🪰 Weitere News gibt es in der letzten Folge des Doppelgänger Podcast…
🔗 Doppelgänger Podcast
📶 Chart der Woche: Konsequenzen

Weil wir auch in Deutschland bald Wahlen anstehen haben, schon mal eine kleine Erinnerung wie die Amerikaner, die zunächst von Trump überzeugt waren, inzwischen über dessen Politik denken.
🔗 CNN
📺 Sehenswert: TEDAI Vienna - Die tatsächliche Gefahr von KI
Mein Make-Up lässt vermuten, dass es sich hier um die Eröffnungsszene aus Hamlet handelt. Tatsächlich hatte ich aber die Ehre, auf der TEDAI in Wien über ein meiner Meinung nach eminent wichtiges Thema zu sprechen. Wie gut KI bereits heute in der Lage ist, Menschen zu manipulieren.
🔗 TED Talks
🎫 Hear me Speak: data:unplugged 2026 in Münster
In nur 3 Jahren haben die Macher der data:unplugged das führende KI Festival in Europa aufgebaut. Ich durfte bereits bei der Premiere und auch letztes Jahr auf der Bühne stehen und habe mich stets sehr wohl gefühlt.
Bei dem 10.000 Teilnehmer Event in der MCC Halle Münsterland erwartet Besucher ein Top-Speaker-Line-Up (Sascha Lobo, Uli Hoeneß, Elisabeth L’Orange, meine Wenigkeit und viele mehr) sowie professionelle Moderatoren und Unterhaltung der Spitzenklasse.
🎫 Mit dem Code DU26-PIP-20 könnt ihr 20 Prozent auf alle Pakete sparen. 🎫
🔗 data:unplugged
🖨️ Earnings Season: Quartalsergebnisse der Woche
Montag 2. März: Berkshire Hathaway (BMO), mongoDB (AMC), plug Power (AMC)
Dienstag 3. März: Target (BMO), BestBuy (BMO), sea Ltd. (BMO), on Running (BMO), CrowdStrike (AMC), GitLab (AMC)
Mittwoch 4. März: wix (AMC), Broadcom (AMC), veeva (AMC), okta (AMC), Webull (AMC)
Donnerstag 5. März: JD.com (BMO), Marvell (AMC), samsara (AMC)
Freitag 6. März: —
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